Briefe an Laura

Zitrone…

13. August 2026 | Briefe an Laura, Tagebuch

Zitronen, die Sehnsuchtsfrucht, schon bei Johann Wolfgang von Goethe. Bei ihm war Italien nicht das Land der Pasta, sondern das Land wo die Zitronen blühen. Er geht darauf ein in seinem Roman “Wilhelm Meisters Lehrjahre”.

Die Italien-Sehnsucht geriet in Deutschland zum Kontrast des grauen Nordens: Sonne statt Nebel, Sinnlichkeit statt Nüchternheit, Antike und Renaissance statt moderner Geschäftigkeit. Bei Erich Kästner wurde 1928 das Bonmot des Glücks eingedeutscht: “Das Land wo die Kanonen blühn”.

Wir aber bleiben, einen Tag nach der Sonnenfinsteris jenseits der Verdunkelung des Lebens. Wir gedenken, dass selbst der kleinste Fitzel Zitronenschale einen Campari-Soda mit finaler Grandezza segnet.

Die Schale der Zitrone war mir immer schon wichtiger als der saure Saft, in ihr steckt das wirkliche Aroma, das auch einer Osso-Bucco-Sauce auf die Sprünge hilft.
Die ambulante Hilfe der Zitroneneckchen auf Fisch, Schnitzel und allem was besser riechen soll als es ist, das allerdings nervt mich. Knapp gesagt, ein Wiener Schnitzel sollte nach brauner Butter schmecken und nicht nach der Vertreibung des Fritteusenmiefs durch Zitronensaft.

Wirklich grauslich ist Zitronensaft, mit dem sehr oft ein Rinder-Tatar angemischt wird. Fleisch und Säure war schon immer heikel. Fleisch säuert unaufgefordert, wenn es dem Verderb nahe ist. Angesäuertes Rinderhack ist ein echter Küchenunfall. Wer will schon saures Rinderhack? Und noch schlimmer, wie jede Säure hat Zitronensaft einen ausbleichenden Effekt. Das Tatar verwandelt sich von freudig-rot ins Falbe einer Wasserleiche.