Zugegeben, ich bin ein Mann von gestern, aus Zeiten, in denen Vieles nicht gut war. Doch gibt es auch so manches nachdem ich mich sehne.
Zweifellos braucht Gesellschaft Preise, ein notwendiges Mittel, um Güter und Werte auszutauschen. Problematisch wird es, wenn die Preise auf Lebensbereiche übergreifen, die nicht angemessen in Geld darzustellen sind. Das wäre Freundschaft, Ehre, Bildung, Schönheit, Fürsorge, handwerkliche Sorgfalt, Natur, Erinnerung, Religion und auch die Verpflichtung den Nachkommen gegenüber.
Wer das nicht berücksichtigt verändert nicht nur die ethischen Anker der Wirtschaft, sondern der Beteiligte sich selbst auch.
Nehmen wir den Koch, er bruzzelt seinen Rostbraten, weil er ihn verkaufen muss. Er könnte aber auch der Überzeugung sein, dass das Essen eine Qualität haben müsste, die über die Wahrnehmung des Gastes hinausreicht. Es geht dabei um den handwerklichen Eigenwert der Arbeit. Daraus bezieht ein guter Koch sein Selbstwertgefühl, das über den Verdienst weit hinausgehen sollte. Man darf nicht nur für den Lohn arbeiten. Wer in seinem Beruf lange glücklich bleiben möchte, muss nicht nur liefern, sondern seine Arbeit zu Gunsten seines Seelenfriedens erledigen und als Verpflichtung begreifen. Das alles sind die Gründe, warum ich das Wort “Job” noch nie ausgesprochen haben.
In Schwäbisch Gmünd gab es einmal eine verdammt gute Blues-Rockband namens “Erna Schmidt”. Der saugute Lead-Gitarrist Hubert Stytz sagte mal zu mir: “Du muasch a Haltung han. Des isch älles!”

