Vincents Tagebuch

پلو – Polow

11. September 2026 | Tagebuch

In unserem Betrieb arbeitet ein Kellner und ich mag ihn sehr. Er ist Iraner und schwäbischer als ein Schwabe. Ein wahrlich großer, zuverlässiger Schaffer vor dem Herrn. Seine Mutter kocht manchmal ein persisches Reisgericht, das bringt er mit in den Betrieb. Diese Art Reis ist auch auf dem Balkan verbreitet und nennt sich Pilaw. In meiner Jugend verwendete man für diese Art des Reiskochens Langkornreis der Riesenfirma, die damals noch Uncle Ben hieß und heute Bens Original heißt.

Alles schön und recht. Langkornreis fällt locker, im Gegensatz zum klebrigen Basmati-Duftreis. Heute kennt man fast nur noch die asiatischen Sorten des Basmatireises. Letztlich ist das für mich eine Sorte, die ein bisschen duftet, aber ansonsten verdammt fade ist und erst gewinnt, wenn gute Sauce von ihm aufgesaugt wird. Dazu eignet er sich ganz besonders.

Jetzt kommen wir aber zu meiner Reis-Lieblingsvariante, dem Pilaw. In der Wielandshöhe gibt es ihn selten. Privat koche ich ihn aber sehr gern. Für meinen Einzelhaushalt ist ein Pilawgericht deshalb so prima, weil ich nur einen kleinen Topf brauche. Mir geht es wie vielen, ich koche gern, habe aber keine Partnerin, manchmal auch Ehesklavin genannt, die abspült. Umgekehrt gibt es allerdings auch ziemlichen Missbrauch.
Egal, also ein einziger Topf und ich verwende keinen stinknormalen Langkornreis, sondern spanischen Paella-Reis. »Arroz Bomba«, ziemlich teuer, aber das hat seinen Grund. Ich kaufe die Edelperlen bei Amazon, weil ich mir wegen einem Pfund Reis in der Stadt nicht die Hacken ablaufen möchte.

REZEPT

Für 4 Personen
• 250 g Bomba-Reis
• 1 kleine Zwiebel, sehr fein gewürfelt
• 35 g Butter
• 1 EL Olivenöl
• Ca. 650 Milliliter kräftige Hühnerbrühe
• 1 Lorbeerblatt
• 1 kleine Knoblauchzehe, nur angedrückt
• Salz

 

Ich halbiere das Rezept immer, esse es nicht ganz auf (i hans net zwonga) und mache mir andern Tags eine Reissuppe.
Zwiebeln und Knoblauch in Olivenöl hell anschwitzen, dann den Reis und das Lorbeerblatt dazu und die Brühe drauf. Zum Kochen bringen. Auf kleinstem Feuer unbedingt mit Deckel drauf, mehr ziehen lassen als kochen. Nicht umrühren, gar nix mehr machen, aber auf kleinstes Feuer achten. Energietechnisch nicht gut, aber bombensicher für »Bomba« ist, den Topf mit Deckel in den 180 Grad heißen Ofen zu stellen. Solcherart Zubereitung wird in Persien und auf dem Balkan mit Langkornreis gekocht. Der Bombareis nimmt jedoch ein Viertel mehr Flüssigkeit auf. Da braucht es keine Sauce mehr oder kräftige Brühe obendrauf, denn diese ist im Reis schon drin.
Manchmal gebe ich von Anfang an etwas Safran dazu. Letzten Sonntag habe ich meine Petersilie im Garten gestutzt und feingehackt »Bomba« gestreut. Dazu eine Flasche Montrachet 1er Cru und der stinknormale Sonntag war sommerliches Weihnachten.

Der iranische Schwabe Kami, von dem mache ich heute noch ein Foto