Liebe Laura, die hatten schon immer einen Knall, diese Hautevolée. Vor dem ersten Weltkrieg war die Eroberung des Mars noch kein Thema. Die Spinnereien waren aber ebenso monströs. Bei allem, sie waren wesentlich phantasievoller.
Liebe Laura, Du weißt es selbst, mit der Phantasie ist heute bei den meisten Menschen nicht viel vorhanden.
Damals im österreichischen Adel:
In Venedig sitzt ein Neunzigjähriger und erzählt: wie er bei der Regatta von Cowes mit der Kaiserin Eugénie Tee trank und als Knabe von seiner Großmutter geohrfeigt wurde, weil er an der Kaiserin Elisabeth, die ihm auf einem Spaziergang in Territet begegnet war, nur die Runzeln bemerkt’ hatte. Er erzählt von einem böhmischen Aristokraten, der in amouröser Gesellschaft nach Monte Carlo fuhr und zu diesem Zweck seinen Salonwagen ganz mit frischen Veilchen austapezieren ließ. Und vom Grafen Max Thun, der in Begleitung eines Affen auf Schloß Teplitz erschien. Der Graf bestand darauf, daß das Tier an der Tafel mitaß, wo es auch ganz manierlich mit Messer und Gabel hantierte; als es aber mitten im Essen austreten mußte und deshalb ein Töpfchen gebracht wurde, erwies es sich so schamhaft, daß es sein Geschäft erst verrichtete, nachdem es mit einer spanischen Wand abgeschirmt worden war. Auch vom schwarzen Schaf der Familie ist die Rede, von jener Tante Radziwill, die in Schlüsselromanen die Höfe von Berlin, St. Petersburg und Wien bloßstellte, nach ihrer Scheidung in Südafrika Schecks auf den Namen Cecil Rhodes fälschte, eingekerkert wurde und schließlich als Instruktorin für feine Sitten in New York ein gutes Ende nahm…

