Der momentane Politikbetrieb greift die kleinste Lappalie, jede zugespitzte Aussage auf, verfolgt sie gnadenlos und mit jeder nur denkbaren Hinterlist. Und hinterher beschweren sich dieselben Beteiligten darüber, dass Politiker heutzutage nur noch glattgeschmirgelte Statements von sich geben.
Politik lebt nicht nur von Mehrheiten, Macht und Durchsetzungsvermögen. Sie lebt auch von Vertrauen, gegenseitigem Respekt, von der Fähigkeit zuzuhören und von der Bereitschaft, dem politischen Gegner eine anständige Absicht zuzugestehen. Dabei muss man keineswegs derselben Partei angehören oder dieselben Überzeugungen teilen. Im Gegenteil: Eine Demokratie braucht den leidenschaftlichen Streit. Aber es besteht ein fundamentaler Unterschied zwischen dem Streit um die Sache und der Herabsetzung eines Menschen.
Die SPD habe ich noch nie gewählt. Ich neige eher zu einer vernünftigen, grünen Politik, wie sie Ministerpräsident Winfried Kretschmann über viele Jahre hinweg in Gang hielt.
Um auf Frau Bärbel Bas zu sprechen zu kommen: Ich trenne die politische Überzeugung von der menschlichen Würde. Diese Unterscheidung ist für eine demokratische Streitkultur von großer Bedeutung. Immer mehr gewinne ich den Eindruck, dass es in der Politik und den Parteien nicht mehr um uns Bürger geht, sondern vor allem um Macht und Machterhalt. So erscheint mir die AfD als ein Narrenschiff der Bösartigkeit. Und die Linke, die ebenso wie die AfD durchaus auch gute Gedanken hervorbringt, die es allerdings schwer haben nicht von Ideologie zugeschüttet zu werden. In dem gegenwärtig miserablen und inhumanen politischen Klima wird sich, wenn es so weitergeht oder gar noch verschlimmert, irgendwann kein normaler, anständiger Mensch mehr für ein politisches Amt aufopfert. Die Folge könnte sein, dass sich zunehmend nur noch Egomanen, Narzissten und Psychopathen in Maßanzügen, wie in den USA, sich an Politik vergehen werden. Dies alles getragen von quotengeile Komplizen.
Dabei ist mir durchaus bewusst: Ein guter menschlicher Umgang macht noch keine gute Politik. Aber ein schlechter menschlicher Umgang kann gute Politik erheblich erschweren.

