Vincents Tagebuch

Völlig verrohte Sitten

29. Oktober 2026 | Tagebuch

Die Trockenheit machte den Schnecken schwer zu schaffen. Diejenigen die überlebten wurden auf unterschiedlichste Weise massakriert. Weltweit sind die Gräueltaten auch außerhalb des Gartens unermesslich und nicht weniger schlimm als im Dreissigjährigen Krieg. Es gab früher Ganovenehre und soldatische Ehre: Alles perdu.

Aber Achtung, es geht auch anders. Die Mutter eines Freundes geht täglich auf Kleintierjad und entschied sich Schnecken nicht einfach zu killen, zerquetschen, mit der Rosenschere zu guillotinieren, mit Backpulver oder Salz zu verätzen oder aus der Spaydose einen Gasangriff zu starten.

Nein, abermals nein, sie gibt sich der fairen Wilderei hin, im überlieferten Ehos eines Widschützen Jennerwein. Waidgerecht gibt sie den Schnecken noch die Chance zur Flucht. Ihre
Weltsicht über Kimme und Korn holt sich sich im Gottesdienst. Endlich eine Dame, die noch alle Perlen am Rosenkranz hat.