Briefe an Laura

Hermann Hesse,

18. August 2026 | Briefe an Laura

Liebe Laura,
der ist Dir gewiss kein Unbekannter.
Hermann Hesse (1877–1962) in Calw in einen Pfarrershaushalt hineingeboren ist einer der bedeutendsten Autoren des 20. Jahrhunderts. 1946 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Hesse habe ich nun wiederentdeckt. Es gab eine Zeit in meinem herben Literatenbiotop, da konnte man sich als Hesseliebhaber nur blamieren. Welch ein Dummheit, der auch ich damals erlegen bin. Das ist nun vorbei.

Hesse schrieb bevorzugt über den “inneren Menschen”. Selbstfindung, Einsamkeit, persönlicher Freiheit und dem Konflikt zwischen Individuum und gesellschaftlichen Erwartungen, das interessierte ihn und sprach vor allem auch die Jugend an, besonders in den USA und Japan. Dass eine Kanadisch-amerikanische Rockband namens Steppoenwolf sich 1967 gründete kam nicht von ungefähr. Es war die Zeit des Vietnamkriegs und der amerikanischen Gegenkultur (Make love not war).

Hesse pflegte eine weitgefächerte Weltwahrnehmung, beschäftigte sich mit östlicher Philosophie und Religion, besonders mit indischem und buddhistischem Denken. Er blieb trotzdem ein deutscher Spätromantiker. Zu seinen wichtigsten Werken gehören „Siddhartha“, „Der Steppenwolf“, „Demian“, „Narziß und Goldmund“ und „Das Glasperlenspiel“ und für mich als Internatsschüler ganz besondes, der Roman “Unterm Rad”.
In vielen seiner Werke handelt es sich um Selbstsuche und die Frage: Wie kann ein Mensch zu sich selbst finden und ein eigenständiges Leben führen?

Immer wieder sind in Büchern Aquarelle von ihm zu finden. Er galt als malerischer Dilettant und nannte sich selbst auch so. Das war aber eher um schwäbisch tiefzustapeln. In Hesse wohnte die Zurückhaltung des Schwarzwälder Pfarrhauses und die Furcht vor Selbstlob. Er hinterließ etwa 3000 Aquarelle, darunter viele der Sonntagsmalerei nahe. Auch so bezeichnete er sich. Jedoch, unter unzähligen Bildern waren hunderte von wirklichem Können und großer Qualität. Wenn jedoch Kritiker einmal gerichtet haben, dann kommt man aus der Nummer kaum mehr raus. Einmal miesgeredet gibt es kaum mehr Überprüfung, sondern nur Nachplappern. Mit der Malerei war es Hesse ziemlich ernst. Noch zu Lebzeiten hatte er einige Austellungen, eine davon mit Emil Nolde in Winterthur. Er war befreundet mit dem grandiosen Schweizer Maler Cuno Amiet, und ganz besonders mit dem Sympathisanten der Künstlervereinigung “Die Brücke”, Louis Moilliet (1880-1962). Von ihm lernte er ernsthaft und das Gespür für kräftigen Farbgebung. Ganz sicher hat Hesse Bilder von Kandisnky und Gabriele Münter gesehen. (Das behaupte ich jetzt einmal ganz frech.) Hesses Farbempfinden ist außergewöhnlich, keineswegs naiv wie oft behauptet wird, seine Farbgebung ist durchgehend professionell.

Liebe Laura, gerade rechtzeitig kam am Samstag ein Buch ins Haus mit dem Titel: “Hermann Hesse, Spiel mit Farben”, herausgegeben von dem Hessespezialiten Volker Michels, Suhrkamp Verlag, 2005.
Alle Welt schimpft auf Amazon, aber von dort wurde ruck-zuck geliefert.

Sonntag mittag machte ich mich auf den Weg nach Ochsenhausen- Dort hausen keine Ochsen sondern dort wohnt der Kunstverstand.

Kurz nach vierzehn Uhr stand ich vor der Städtischen Galerie im Fruchtkasten. Innen dann rollte ich die Augen. Ich kannte ein bisschen etwas von Hesses Malerei, und war durch das Buch gut vorbereitet. Was ich dann sah traf mich jedoch fast körperlich, eine Erholung an Schönheit in einer momentanen Welt welche den Fokus auf das Hässlichen hat.

SPRUCH DES TAGES:
Die Menschen sind geradezu süchtig nach dem, was ihnen nicht gut tut. André Heller

 

 

Manchmal geschieht mir auch das Richtige, aber meist unabsichtlich!