Briefe an Laura

Das Leben ein Traum

28. Juni 2026 | Briefe an Laura

Liebe Laura,

wie du weißt, lebe ich seit dem Tod meiner Frau, der nun ins vierte Jahr geht, alleine und ich bin gerne alleine aber alles andere als einsam. Ich habe viele Freunde aber sie sind alle tot. Einen davon will ich Dir kurz vorstellen.

Pedro Calderón de la Barca (1600–1681) war einer der größten Dramatiker Spaniens und neben Lope de Vega der bedeutendste Vertreter des spanischen „Goldenen Zeitalters“ (Siglo de Oro).

Sein Meisterwerk: Das Leben ein Traum (1635)
Prinz Sigismund wird von seinem Vater eingesperrt, weil eine Prophezeiung ihn als Tyrannen bezeichnet. Als er kurzzeitig freikommt, handelt er tatsächlich gewalttätig. Daraufhin wird er wieder eingesperrt und glaubt schließlich, sein Leben sei nur ein Traum gewesen.

Der berühmte Gedanke lautet:
Was ist das Leben? Ein Wahn.
Was ist das Leben? Ein Schatten,
eine Fiktion.
Und das größte Gut ist klein:
Denn das ganze Leben ist Traum,
und die Träume selbst sind Träume.

Sein Werk „Das Leben ist Traum“ gehört zu den Säulen der Weltliteratur und ist besonders in unseren Tagen geradezu Alltag. Was ist Wirklichkeit, wo beginnt die Täuschung? Calderón verband philosophische Tiefe mit dramatischer Kraft. Er beeinflusste unter anderem Johann Wolfgang von Goethe, August Wilhelm Schlegel und Arthur Schopenhauer.

Dann wäre da noch jemand von dem ich viel lernen kann. Momentan lese ich Eckermanns Gespräche mit Goethe. Eckermanns Gespräche habe ich mir als 700-seitiges gelbes Duodezbüchlein (Reclam, 700 Seiten) für 6 Euro bei ZVAB  gekauft. Da kommen die Dichter vom Hölzchen aufs Stöckchen.  Es tut sich eine Welt auf und zeigt einmal wieder welch breite Interessen Goethe umgetrieben haben. Farbenlehre, Politik, technische Fragen, ethische Fragen, das Phänomen Liebe, Lebensumstände des Volkes, es gibt fast nichts was in diesem Buch von unten nach oben gedreht wird.

Selbst belesene Leute sehen in Eckermann einen Art geistigen Knecht,, einen Adlatus Goethes, was aber ziemlich irreführend ist. Goethe hatte selbst einen Sekretär und Eckermann war vielleicht kein großer Dichter aber ein äußerst belesene Intellektueller. Wenn man bedenkt dass Goethes so ziemlich sein ganzes Umfeld als als geistig ungenügend betrachtete und er den Kontakt mit Eckermann fast täglich suchte, hat das eminente Bedeutung.