Vincents Tagebuch

Kochen ist gesund

9. Juli 2026 | Tagebuch

Kochen ist gesund

  1. Juli 2026 | Tagebuch

nicht weil man gesund kocht, sondern weil man sich gesund kocht. Gesundkochen hat nichts mit Kalorien zu tun, nichts mit Bratfett oder anschließendem Völlegefühl. Als Berufskoch denkt man kaum an das, was die Arbeit des Kochens mit einem macht, man hat andere Sorgen. Deshalb ist es nicht lange her, dass ich bemerkt habe, dass mir die Kocherei eine andere Welt aufmacht. Letztlich verdanke ich die Erkenntnis den Hobbyköchen, die das Kochen als eine Art weggetretenen Buddhismus erleben. Ich dachte nach, und tatsächlich: nicht nur das Hobby, sondern auch das berufliche Kochen lässt mich in eine andere Welt eintreten. Mit anderen Worten, ich bin weggetreten. Ich vergesse alles um mich herum. Insofern ist das Kochen, neben dem Erleben und Ausüben von Kunst, eine der wenigen Möglichkeiten, aus dem Alltagsstress und der Erfolgshatz auszuscheren.

Ich lebe in zwei Welten: auf der einen Seite die Küche, das Restaurant, und auf der anderen Seite die Schreiberei, die das Gegenteil bedeutet, nämlich eine gewisse Isolation. Schreiben ist ein einsames Geschäft, und deshalb bin ich in meiner Freizeit nicht erreichbar und für nichts zu haben. Grob besehen wirkt es wie eine Schrulle, aber es ist eine Notwendigkeit, die zu meinem Leben gehört. Kurzum, ich fühle mich bevorzugt. Die Einsamkeit des Schreibens ist mir das höchste Glück. Wenn dieses Gefühl sich abnutzt, habe ich dagegen das Restaurant, meine vielen jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mich auf Händen tragen. Und dann kommen noch die Tischgespräche mit den Gästen. Ich selbst grüße nur, will nicht aufdringlich sein, freue mich aber jedes Mal, wenn meine Gäste mit mir ein Gespräch beginnen.