liebe Laura,
alles, was um uns herum geschieht, unser Tun und Treiben ist sehr wahrscheinlich mittelmäßig. Es gibt also jede Menge Grund an sich zu arbeiten und Bildung bestmöglich auszubauen. Wichtigstes Instrument dafür dürfte die Neugierde sein. Hast du schon mal etwas von “Sturgeon’s law”, also Sturgeons Gesetz gehört. Dieser Theodore Sturgeon sagte, und bezog sich selbst auch mit ein: „Neunzig Prozent von allem sind Schrott.“
Er formulierte die These in den 1950er Jahren als Antwort auf Kritiker, die behaupteten, die Science-Fiction-Literatur bestehe überwiegend aus minderwertigen Werken. Sturgeons Argument war jedoch umfassender: Nicht nur die Science-Fiction, sondern jede menschliche Tätigkeit bringt viel Mittelmäßiges hervor. Das gilt für Literatur, Kunst, Musik, Wissenschaft, Journalismus, Politik und vieles andere.
Gell, dieses Damoklesschwert wird uns nicht aufhalten. Wir beide gehören nicht zur Spitzenklasse der Menschheit. Diese wird letztendlich von Leuten klassifiziert, die selbst hinlänglich sind. Insofern sind alle Ehrungen Titel, feudale Herkunft immer berechtigt dem Zweifel ausgesetzt. Für uns beide ist wichtig, dass wir die Fähigkeit pflegen, um uns an uns selbst zu erfreuen und zu genügen. Seit ich meinen Betrieb gegründet habe trieb mich immer die Sorge um, was ist wenn ich pleite gehe, wenn ich alles verliere. In Gedanken habe ich das bis heute immer wieder durchgespielt. So fand ich zu der Gewissheit, dass ich keineswegs resignieren würde, denn nichts zu besitzen ist ein Form von Freiheit. Hoffentlich bleibe ich so gesund wie möglich. Ich wüsste auch nicht, dass in Deutschland in den letzten Dekaden jemand verhungerd wäre. Welch herrliches Land, dies Deutschland.
Mehr Glück und Freiheit mag ich nirgends zu erkennen. Freiheit hat also etwas mit Zurückhaltung mit Reduktion zu tun und gar nichts mit dem Fluten der Konsum- und Medienmaschinerie. Zu letzterem gibt es berechtigte Ängste, aber auch das lässt sich einfach regeln. Mobiltelefon, Internet, KI oder ChatGPT sind oft hilfreich. Mich kann diese Kommunikationsdiktatur nicht im Geringsten ängstigern, solange ich den Schalter zum Stromnetz finde.

