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Küchenzeiten:
12.00 - 13.30 Uhr
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Signatur Vincent Klink Vincent Klink
Holzschnitte von Vincent Klink auf handgeschöpftem Büttenpapier
Ein stolzer Hahn, mit 2 Platten übereinander gedruckt.
Ein stolzer Hahn, mit 2 Platten übereinander gedruckt.
Immer wieder einen Holzschnitt 
von Vincent Klink. 
Auf wertvollem handgeschöpftem Büttenpapier.
Sehr dekorativ in jeder Küche.
Das Rezept dazu, im Magnesium-Klischee-Satz, 
ebenfalls auf handgeschöpftem Bütten. Von mir selbst gedruckt in meiner Werkstatt.
Format DIN A 4
Weiter Informationen und zu bestellen bei



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Restaurant Wielandshöhe
- Vincent Klink -
Alte Weinsteige 71
70597 Stuttgart-Degerloch

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Immer wieder die Frage: "Ist der Chef auch da?"
Antwort »
Ich werde ab Januar 2017 zweimal monatlich, jeweils am Donnerstag, im ARD-Mittagsbuffet kochen.
Darüber hinaus bin ich „Live“ im Restaurant, und zwar täglich, ohne Ausnahme.

Juni 2020

30. Juni 2020

Es gibt durchaus Bauern, die gute Ideen hätten, 
wie man den Fleischkonsum tiergerecht und arbeitsgerecht gestalten könnte. Ein mit mir befreundeteR Ökobauer hat seinen Upton Sinclair „Der Dschungel“ gelesen. In dem sozialkritischen Roman geht um die Schlachthofbedingungen vor hundert Jahren. Fazit: In den letzten hundert Jahren hat sich bis heute nichts geändert. Die breite Bevölkerung ist einfach zu stumpfsinnig, um ihr Kaufverhalten an Humanität anzugleichen. Das funktioniert nur, wenn es um die eigenen Haut geht. Eigentlich müsste man von der Demokratie einen kleinen Teil abtrennen, den ich Öko-Diktatur nennen möchte. Anders lassen sich gedankenlosen Konsumenten nicht in die Schranken verweisen. Dieselben diktatorischen Mittel, welche die Regierung wegen Corona uns Bürgern aus gutem Grund diktiert haben, sollte auch auf die Schlachtindustrie angewandt werden.

Upton Sinclair gab sich der Hoffnung hin, mit seinem Roman „die Herzen der Menschen zu erreichen, er hatte aber nur deren Magen erreicht: Ich hatte mich viel weniger für das verdammte Fleisch interessiert, als für etwas ganz anderes, nämlich das Inferno der Ausbeutung.“

Die Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Frau Julia Klöckner hat mit vielen Ministern das Unwissen über ihr Aufgabengebiet inne. Die meisten Ministerinnen und Minister schaffen es über ihre Intuition, oder den gesunden Menschenverstand, die Arbeitspapiere und Empfehlungen der im Hintergrund dämmernden Staatssekretäre, zweifelhafter Gutachter und sonstigen Ohrenbläsern, zu bewerten. 

Mein Vorschlag wäre, dass die Behörde die Hälfte Ihrer Mitarbeiter entlässt und dafür Leute einstellt, die wirklich Bescheid wissen. Das wären nämlich die Lobbyisten. Ähnlich wie man Spione „umdreht“ könnte das funktionieren, indem man sie ungleich höher bezahlt, was sich aber durch Effizienz ausglichen würde. Überhaupt sollten die Hintermänner, auch die Ministerinnen und Minister insgesamt, viel höher bezahlt, dafür aber auch bei groben Fehlern in Haftung genommen werden. Scheisse bauen und dann designieren, genügt nicht. 

26. Juni 2020

Das Grauen meiner Kinderzeit hatte einen Namen, 
es war die Linse. Sie soll ja aus den Mittelmeergebieten, dem nahen Osten stammen und man fragt sich, warum sie es über die Alpen geschafft hat. 
Wie Unkraut auch auf steinigstem Boden, so wächst die ideale Folgefrucht der Schwäbischen Alb: Lehm-Steine-Linsen. Fast ein geeigneter Titel für eine Heavy-Metal-Band. Weit vor der Erfindung der Schrotkugeln wurden Linsen schon in der Steinzeit angebaut. Wer sich als bibelfest wähnt, der weiß auch um den Doofkopf Esau. 

„Und Jakob kochte ein Gericht. Da kam Esau vom Felde heim und war müde und sprach zu Jakob: "Lass mich kosten das rote Gericht, denn ich bin müde!" Aber Jakob sprach: "Verkaufe mir heute deine Erstgeburt. "Esau antwortete: "Siehe, ich muss doch sterben. Was soll mir denn die Erstgeburt?" Jakob sprach: "So schwöre mir heute!‘ Und er schwur ihm und verkaufte seine Erstgeburt. Da gab ihm Jakob Brot und das Linsengericht, und er aß und trank, stand auf und ging davon.“

Ein schlechtes Geschäft, denn die großen allgemein üblichen Linsen stehen bis heute im Ruf der Schwerverdaulichkeit. Manche Mediziner sagen, Linsen seien das Schrecklichste, was man seinem Magen antun kann. Und vor fünfzehn Jahren verschwand die Linse fast ganz von den Speisekarten. Nur im Schwabenland hielt sich das Gericht „Linsen mit Spätzle“ recht wacker. Dann entdeckten Gourmetköche die französische, kleine „Le Puy“-Linse und alle Vorurteile waren mit einem Schlag vom Tisch und die Linse wieder auf dem Tisch. Ähnlich kleine delikaten Linsen gab es vor dem Krieg auch in Deutschland. Doch die Ernte der Schoten und das Herauspusseln der Frucht war durch neuzeitliche Lohnkosten nicht mehr rentabel. Die Alblinse des Saatgutzüchters Fritz Späth verschwand und ward nie mehr wiedergesehen. Doch eines Tages geschah das Wunder, man entdeckte in St. Petersburg 
trotz heftigster Recherche nicht das Bernsteinzimmer, aber dafür etwas anderes und letztlich Wichtigeres.
Die alten Linsensorten der 1940er und 1950er Jahre, „Späths Alblinse I und II“, wurden 2006 in der Wawilow-Saatgutbank in St. Petersburg (Russland) entdeckt. Dort bekamen 2007 die Bauern der Erzeugergemeinschaft „Alblisa“ wenige hundert Linsensamen. Sie wurden 2008 bis 2010 in mühevoller Arbeit vermehrt. Anfangs in Gewächshäusern und später unter Hagelschutznetzen und letztlich dann im Freiland. 2011 konnte die Erzeugergemeinschaft schon auf 34 Hektar Späths Alblinse II, „Die Kleine“, anbauen und sie damit erstmals zum Verkauf anbieten. Die größere Schwester, Späths Alblinse I, kam nach der Ernte 2012 auf den Markt.
Es ist schön, wenn man sich zum Kochen aus der Region ein ursprüngliches Produkt besorgen kann, auf die Schwaben braucht man trotzdem nicht neidisch zu sein. Die „Le Puy“-Linse ist mindestens ebenbürtig und letztlich sind die zu Unrecht diffamierten großen Tellerlinsen im Geschmack eindeutiger als die Zwerglinsen, von denen es auch schwarze Sorten aus fernen Landen gibt.

Das Rezept Linsen und Spätzle finden Sie bei den Überlebensrezepten/Gemüse.

24. Juni 2020

Gibt es so blöde Mütter?
die für Ihre Kinder das Mineralwasser von HIPP kaufen. "Durstlöscher" steht hübsch bunt auf der Flasche. Es ist nichts anderes als stinknormales natriumarmes Mineralwasser. Der Liter kostet 2,60 Euro. 
Dann mein Beissholz seit Jahren, die Firma Nestlé. Unter Nescafé verkauft sie einen "Marrakesh Style Tea". Ein absoluter Scheiss und Betrug. Das Pulver enthält 95% Zucker. Der enthalte Grüntee ist ein bisschen Extrakt und dann riecht es noch ein bisschen nach Minze.
Wie hieß es früher im Schwäbischen unter den fahrenden Händlern, die auch vieles verkauften das niemand benötigte: "Es stehen jeden Tag Dumme auf, man muss sie nur finden!"

So, und jetzt zur richtigen Sauerei. 
Seit Jahren kämpfen Tierschützer gegen die Enge in den Schweineställen. Mein fiktives Gespräch mit einem Quälbauern lautet so: "Warum bekommen die Viecher nicht mehr Platz?" Der Bauer, "dann rechnet sich alles nicht mehr." Ich dann, "nehmen Sie einfach den Preis, den sie benötigen, um besser zu leben als ihre Schweine." Der Bauer, "die Kundschaft zahlt keinen höheren Preis!" "Warum probieren Sie das nicht einfach aus, oder bringen Sie doch endlich mal Ihre Bremsmaschinisten beim Bauernverband auf Trab. 

In Dänemark war doch das Gleiche. Heute zahlt die Kundschaft das Doppelte, und wer sich das nicht jeden Tag leisten kann, der freut sich dann an einem gelegentlichen Schnitzel und hat wirklichen Genuss." Die Geschenke der Natur sind unglaublich vielfältig, warum muss man sich dann täglich auf Wurst und Fleisch stürzen. Mit Genießen hat das nichts zu tun, sondern mehr mit Stumpfsinn. 

Und so ein Herr Thönnies und andere Killernaturen der Fleischindustrie gehören eigentlich ins Gefängnis, dies aber bei gleichen Bedingungen wie die Schweine. Nicht nur der Mensch, auch Schwein und Rind sind Gottes Geschöpfe. Leider gibt es auch die Religion des Kapitalismus, der auf dem Glauben an den Kredit fußt, und der Gott ist das Geld! Heute ist Geld wirklich göttlich, denn es gibt keine Golddeckung mehr, sondern nur noch fiktive Versprechen. 

23. Juni 2020

Wer jemals einen Krimi des Schweden Henning Mankell gelesen hat, 
der weiß, dass bei seinem Kommissar Wallander alle 30 Seiten ein Klappbrot fällig ist. Wer kennt nicht die Stulle und all das deutsche Graubrot, aus dessen Geist unsere Mentalität sich formte. Weißbrot ist nur in Deutschland ungesund. Bisher haben aber unsere Artgenossen die in lateinischen Ländern leben, allen Kassandrarufen zum Trotz, ganz passabel überlebt. Da wären die Spanier, Italiener und die Franzosen die pauschal eine höhere Lebenserwartung haben als wir Deutschen. 

Ich glaube es gibt beim Brot einen Unterschied, ob das Rezept aus dem protestantisch-puritanischen Kulturkreis oder aus dem katholischen Kulturkreis stammt. Weißbrot ist auf alle Fälle, vielleicht mit Ausnahme der Zeit des napoleonischen Empires, eindeutig pazifistischer. Vielleicht ist Schwarzbrot eine Erfindung des Militärs? Im Internat bin ich mit hartgebackenem Kriegsgerät aufgewachsen. Es nannte sich Kommissbrot. Die rechteckigen Ziegel wurden in der Klosterküche meines Internats gebacken und hätten eigentlich unters Waffengesetz fallen müssen. Ähnlich wie vielleicht die unzerstörbaren, englischen Brotsorten wie das Rundbrot namens „Cob“, mit Malz und Kleieanteil verfestigt, mit dem man die Kolonien des Commonwealth befrohte. Gegen "Cob" ist ein olympischer, eisengerändelter Hartholzdiskus ein echtes Friedensangebot. Ganz traumatisch wirkt skandinavisches Knäckebrot, das der humorvolle Philosoph Gerhard Polt immer gedanklich in die Idylle schiebt, wenn er auf der Bühne geistige Abwürg-Verdrahtung, und splittrige Lebensverneinung darstellen möchte.

Um aber jetzt nochmal aufs Konfessionelle zu kommen: Brot ist in katholisch geprägten Ländern ein Symbol für den Leib Christi, und dem rückt man nicht mit dem Messer auf die Pelle. In diesen Ländern muss das Brot von einer Konsistenz sein, dass es gebrochen werden kann. Man kann sich mit solchen Broten keine Stulle schmieren, sondern bricht es. Es saugt Flüssigkeiten gut auf, man taucht es in Olivenöl oder reibt sich den Saucenteller damit aus. Wenn sich in der Wielandshöhe jemand mit der Butter und dem gereichten Brot eine Stulle streichen will, ist es garantiert jemand, der dem protestantischen, oder dem steinigen Katholizismus der Schwäbischen Alb entflohen ist. Um diese hochwillkommenen Gäste genießerisch zu sozialisieren, sieht unser Brot so aus wie auf dem Foto nebenan. 

Aus diesem Geist heraus backen wir unser Brot also genau umgekehrt, grad so, dass man kein Klappbrot zusammenbauen kann. Ich erinnere mich noch genau (Kindheitstrauma) an das verdammte Schwarzbrot, das es bei meinen Großeltern gab. Es erinnerte an recycelte Pappdeckel und wies nur feinste Porung auf, so dass man keinesfalls viel Butter in die Löcher schmieren konnte. „Geiz ist Geil“, ist eine uralte schwäbische Erfindung und anderswo ebenso.

20. Juni 2020

Es gab mal eine Zeit, da musste sich ein Koch um seine Küche kümmern, den Rest besorgte die Obrigkeit, der ich alles glaubte. Welch eine Dummheit!
In der Politik ging es noch nie richtig ehrlich zu, aber die Ethik bei den Politikern ist momentan schwer auf dem Rückzug. Vieles war nicht korrekt, aber insgesamt haben mehrheitlich die Leute eine aufrichtige Überzeugung. Die hat der CDU-Jugendliche Philipp Amthor auch, der will seine Karriere dermaßen voranpeitschen, dass ich ihm eine Empathie fürs Volk vollkommen abspreche. Er bekommt keinen Tritt in den Hintern, denn Parteien kennen offensichtlich keine Eigenhygiene. 

Warum wehrt sich die Regierung beispielsweise mit Händen und Füßen gegen die Offenlegung lobbyistischer Verstrickungen von Abgeordneten? 
Dann: Der württembergische Ministerpräsident Kretschmann nennt den geplanten Truppenabzug der Amerikaner einen dramatischen Einschnitt. Ich kann diesen nirgends erkennen, bekenne mich aber zu einer wirklichen amerikanischen Freundschaft. Aber Achtung, es gibt aber auch ein Amerika, dem man die Stirn bieten muss. Deutschland gäbe zu wenig für Rüstung aus? Auf alle Fälle ist der Truppenabzug ein glatter Erpressungsversuch. In Wirklichkeit geht es darum, dass man den Amerikaner Waffen abkaufen soll. Die Verteidigungsministerin begab sich auch sofort auf ihre eigene Schleimspur und orderte amerikanische Jets. 
Das Geschäft mit der Angst funktioniert optimal. Der Russe Putin, er macht uns Angst, wir müssen uns gegen ihn wehren wird gebetsmühlenhaft gedroht. Er ist natürlich ganz und gar kein netter Kerl. 

Die Situation ist aber folgende: Die Nato mit den USA zusammen, geben im Jahr die unglaubliche Summe 1000 Milliarden für Rüstung aus. Herr Putin schafft nur 60 Milliarden. Es müsste der Dümmste kapieren, dass Russland den Westen niemals mit konventionellen Waffen angreifen wird. Gefährlich allein sind die Atombomben. Herr Putin müsste in die verzweifelte Lage kommen, dass er über uns eine Atombombe abwirft, uns vernichtet, aber am verseuchten Land nichts profitiert. Das wird er nicht tun, denn er ist längst nicht so wahnsinnig wie sein amerikanischer Kollege. Folglich sehe ich keine russische Gefahr eines Atomangriffs und schon gar keinen konventionellen Krieg. Wirklich gefährlich sind die Amerikaner, die immer mehr aufrüsten, nicht um einen Krieg zu verhindern, sondern ihrer finanziellen Gier genüge zu tun und womöglich die Russen in eine demütigende Ecke treiben, in der sie verzweifeln könnten. 

P.S. Um nochmal den Dramatiker Herrn Kretschmann zu erwähnen: Könnte es sein, dass wir den den Amis dramatisch viel Geld zahlen, dass Sie uns hierzulande scheinbar beschützen? 

13. Juni 2020

Die Sauce als Briefbeschwerer,

davon sprach Nietzsche, und in gewissen Landstrichen Teutoniens ist es immer noch mehr als Brauch, nein Lebensgrundlage, die Sauce mit der Gabel essen zu können. Von der Stippe zur Tunke war es schon ein gutes Stück, und seit man statt Tunke Sauce sagt steht es trotzdem nicht gut um die Saucen. Als Kind war mir die Soß’ der Ersatz für’s Fleisch, das der Vater für sich in Quarantäne nahm. Sauce war das Gleitmittel für Beilagen und hatten gefälligst Fleischgeschmack zu haben, was die Industriesaucen-Verbrecher sich nicht zweimal sagen ließen.
 
Es gibt auch viele Saucen, die mit Fleisch gar nichts zu tun haben, helle süße, saure, scharfe Elixiere. Sie kaprizieren sich als schwarze Schönheiten, trillieren brünett, als Blondinen, kurz, lang aber auch oft fad. Saucen können kalt, mit Öl und Essig gebunden. Oft sind sie Raketentreibsätze, welche die Probanden die Bäume hochtreibt, zu Dauererektionen und Hirnrindenjucken führen können. Häufig hat sich die Sauce auch als rettender Notfallschirm über einen Küchenunfall zu senken. 

In der Grande Cuisine hat sich die Sauce nur um eines zu kümmern: sie sollte für Harmonie sorgen. Den Wohlgeschmack hat sie zu heben, sich nicht über die Aromen der Fische oder des Fleischs erheben. Kurzum, sie ist nicht Domina, sondern graue Eminenz, die ein hochstehendes Gericht in einen wohlproportionierten Rahmen stellt. 

Nochmal: was die französische Küche zur kunstvollsten der westlichen Welt machte, hat auch mit aufmerksamem Saucenkochen zu tun. Das ist schön und gut, aber wir leben jenseits des Rheins. Was läßt sich aus dem Sumpf der deutschen Sauce herauslesen? Das ist gewiß so schwierig wie im Bodensatz eines Ketchupeimers zu rätseln. Da wäre auch die Wissenschaft überfragt. Werden wir Deutsche deshalb im Ausland mit Unruhe beobachtet, weil uns letztlich nicht zu trauen ist, wir zwar Saucen haben, diese aber auch mit Kanonen verschossen werden können? 

Die Franzosen reden über uns selten gnädig, wenn es darum geht, uns „boches“ als kochende Kulturmenschen zu akzeptieren. Ihr Hochmut erwuchs ihrem Repertoire an Saucen. Hunderte braune Sauce, hunderte helle Saucen und dazwischen noch Spezialerfindungen wie die Sauce Beàrnaise. Haben die Franzosen mit Recht ihr Savoir Vivre immer an der Sauce festgemacht, so gibt’s in Italien so gut wie keine. An Saucen läßt sich durchaus das Wesen einer Nation deuten. Die Sauce als kräftige Glace, obendrein noch „montée au beurre“? Antipodisch dagegen der pure lombardische Fleischsaft. In Frankreich vertrackte Verfeinerung, Artistik und Kulturgut, durchaus auf der Augenhöhe der Literatur. In Italien, das pure Produkt ohne Schnörkel, ganz wie das modere italienische Design. Hier die Kunst, dort die Logik der Hausfrau, Mamma und der geradlinige Gusto.

Schaut man jedoch in die stumpfe Pampe deutschen Gasthauskleisters wir einem angst und bang. Gute Saucen sind Signale für Fleiß und den Willen zur Verfeinerung des Alltags. Mit der Nachkriegszeit wuchs sich das deutsche Soßen-Desaster zu einer Monstrosität aus. Vor zwanzig Jahren etwa gaben die Omas und Tanten in den Gasthäusern und auch in ihren Haushalten den Löffel ab. Die Sauce definierte sich fortan über Tüten und Pasten. 

In Deutschland hat sich aber viel getan, getreu dem, mit steile Augenbraue gesprochenen Satz meines Küchenmeisters, „Klink sie sind ein saublödes Arschloch, aber sie lernen schnell“. Da war ich in den beginnenden Neunzehnhundertsiebziger Jahren nicht der Einzige. Es gibt seit damals und heute erst recht in Deutschland eine wachsende Zahl von Köchen, die weiß wie es geht, wie aus besten Zutaten Saucenkunstwerke entstehen können.

6. Juni 2020

Jede Menge Platz und frische Luft.
Das Restaurant ist jeden mittag nahezu voll und abends auch. Insgesamt entspricht das, als wäre vor Coronazeiten jeden Abend ausgebucht. Wir können nicht meckern, die Umsätze sind sehr gut und bedanken uns bei einer wunderbar neuen Kundschaft. 

4. Juni 2020

Rettich von der Größe einer prächtigen Karotte 
versorgt den gegen den Alltag ankämpfenden mit alles was man braucht um zu siegen. Genügend Vitamin C, Carotin für den Scharfblick, alle B-Vitamine, Minerale wie Kalzium. Magnesium, Phosphor, Eisen und in großer Menge ein schwefelhaltiges Öl, das Raphanol, dann Senföl und Bitterstoffe, die den Magen aufräumen. 

Es kommt nicht von Ungefähr, dass die Segnungen des Rettichs in Landstrichen beansprucht wird, in denen der Himmel voller Schweinhaxen hängt. Die verdauungsfördernde Wirkung ist auch mir bei weniger schwerem Essen geradezu unerlässlich. Kein Wurstbrot ohne Rettich, oder wenigstens ein Radieschen, dass mich zum Vesper wohlig kugelt.  
Sehr zu beachten ist, dass geschnittener Rettich eine Verfallszeit von ungefähr einer Stunde hat. Wer kennt nicht das üble Aufstoßen von geraspeltem Rettichsalat, den der Koch in der Frühe wunderbar abgeschmeckt hat und der, uns und andere, Stunden später mit ungelüfteten Gerüchen belästigt. Mein Vater sagte immer, "Ein alter Rettich, der schwätzt noch Stunden später mit mir!"

In Asien kennt man den rohen Rettich kaum. Entweder er wird fermentiert oder gekocht. Durchs Erhitzen verliert er die Schärfe und rückt fast in die harmonischen Geschmackwelt von Kohlrabigemüse. 

Rettichsuppe 
200 g gewürfelter Rettich
1 fein gehackte Schalotte
1 gepresste Knoblauchzehe
1 Bund Blattpetersilie
1 TL Damaszenerkümmel
1 EL Butter
1/4 l Weißwein
1/4 l Fleischbrühe
1TL Mörser für den Damaszenerkümmel (Jungfer im Grünen)

Schalotten in Butter anschwitzen, alles rein und weichkochen. Dann kommt der Handmixer zum Einsatz, und das wär's auch schon. 

Rettichschneiden
Man legt einen langen, geschälten Bierrettich quer vor sich und schneidet hauchdünne Scheiben. Unten müssen sie zusammenhängend bleiben, den Rettich also nur zu zwei Dritteln einschneiden. 
Nun den Rettich auf die andere Seite legen und im 45° Winkel ebenso fein einschneiden, auch wieder so, daß der Rettich nie ganz durchgetrennt ist. 
Nun kann man den Rettich wie eine Ziehharmonika auseinanderspreizen und salzen.

Aber Achtung, jetzt gibt es das sogenannte Rettichholz
https://www.rettichholz.de

3. Juni 2020

Eigentlich hat mir in den letzten Monaten nichts gefehlt,
außer zwei inneren Verankerungen: Erstens war der "Urlaub" sehr teuer und die Wielandshöhe wird wahrscheinlich zwei Jahre brauchen um die Defizite wieder einzuholen. 
Zum Zweiten haben wir heute den ersten Tag wieder geöffnet und ich spüre deutlich wie mir meine Köchinnen, Serviererinnen, die Köche und ganz wichtig, unser Küchenchef und der Sommelier gefehlt haben. Letzterer hat schwer gestaunt als er seinen komplett geplünderten Whiskyvorrat zu vermissen hatte. 

2. Juni 2020

In meiner Jugend kursierte unter der Jugend und den Studenten die Parole: "Stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin!" Berthold Brechts Sentenz ging aber ungefähr so weiter: "Wenn Du nicht zum Krieg gehst, kommt er zu Dir. 
Das bedeutet, dass sich jeder Einzelne um die Demokratie und den Frieden kümmern muss. Auch was in Amerika passiert geht jeden von uns an. 

Donald Recep Tayyip Trump
Hatte doch der völlig verkannte Intelligenzler George W. Bush die Schurken dieser Welt noch im Nahen Osten ausgemacht, so sind diese mittlerweile näher gerückt. Sie hocken in großen Mengen in den Großstädten der USA und sind zum größten Teil nachdenkliche Menschen, Leute mit sozialem Gewissen, die gegen Polizeigewalt, gegen Rassismus auf die Straße gehen.
Anstatt die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung zu beenden, werden Leute die das wollen von Donald Trump als Terroristen aussortiert. Wo sind die Grenzen des Wahnsinns, wohin wird dies führen?
Da kommt schon starke Besorgnis auf. Wie kann ein ausgewiesener Gourmet und Verfechter der amerikanischen Küche, der in der Freiheit des grenzenlosen Hamburger-Konsums, diesem Menetekel des Sozialfriedens, sein Karriereglück fand, wie kann man als babyblonde Wiederwahlpraline sich in solche Finsternis begeben? Da sind böse Geister im Spiel. Sind es die Ketchupflaschen die ihn umgeben und den Blick in die Weite versperren? Auf alle Fälle gibt es einen mächtigen Mann, der sich offensichtlich den türkischen Präsidenten als Vorbild erkoren hat.

P.S. Immerhin, Donald R. Y. Trump, begnadeter wie gefährlicher Demagoge ist keineswegs dumm, hat er doch die WHO als mindestens sanft korrupte Institution entlarvt. Und dann das: Alles was in USA selbstständig denkt und sich für die Grundwerte dieser ehemals vorbildlichen Demokratie einsetzt, das sind nun keine Bürger mehr sondern Terroristen.

Abtreibungsgegner, militante Barbeque-Griller, Klukluxer, Rassisten und Waffennarren, das sind die "Guten". Es sind viele und womöglich weitet der Präsident mit seiner Charakterlosigkeit seine Anhängerschaft noch aus.
Was für eine verstrudelte Welt, welch eine Zeitenwende.
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