Liebe Laura,
Zugegeben, ich bin ein alter Knochen und vielleicht nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit. Aber aufgeben gilt nicht, ich bemühe mich schon, dass ich mich nicht ganz weghänge. So habe ich aus purer Herzensfreundlichkeit und positiver Neugierde auf YouTube den European Song Contest angeklickt. Höchstens eine Minute, da war ich schon sediert.
Unsere deutschen Heldin hielt sich am Mikrofon, ihren Namen konnte ich mir nicht merken, aber egal, sie hat sich gewaltig angestrengt, mit guter Stimme geröhrt. Sie hat einen Text von sich gegeben, und das finde ich wieder ganz nett, den offensichtlich eine Fünfjährige sich erdichtet hat. Ich dachte mir, vielleicht ist das alles auch eine Monster-Show für Kinder.
In einem bin ich mir sicher, um Musik geht es nicht. Die Melodie war super harmlos und nicht zu sagen unterirdisch schlicht. Der Text so richtig doof, die Sängerin aber hübsch und gefiel mir gut. Das alles trat aber in den Hintergrund denn drumherum blitzte eine Monumental-Lightshow, dass man Life das ganze womöglich nur mit Sonnenbrille angucken konnte.
Macht nichts, denn Musik und Gesang sind bei diesem Wettbewerb eh nicht das Thema. Es geht offensichtlich um einen Weltrekord für Pyrotechnik, Stroboskoopblitze, Neonfarbe und um einen Leistungsschau der Veranstaltungstechnik. Muss ich davon wissen? Eher nicht: In meinem Alter mit dem nahenden Ablaufdatum kann ich mir solche Zeitverschwenung nicht leisten. Das solche Sinnesbetäubung für das nationale Selbstbewusstsein sprechen soll, auch in alle Feuilletons der gebildeten Stände in Furor eruptiert, das spricht nicht gerade für unsere Zeiten.

