Liebe Laura, ein Freund hat mir auf des gestrigen Beitrag zum Eurepean Song Contest geantwortet, das will ich Dir nicht vorenhalten. Die Idee hinter dem ESC-Getöse ist im Grunde großartig, gehört aber in die die Chirugie und reformiert und das wäre ganz einfach: “Alles weglassen was nichts mit Musik zu tun hat!” In allen Bereichen sehe ich Deko, Aufhübschung um von schlechter Qualität abzulenken.
Jetzt aber der Brief meines Freundes.
Lieber Vincent
Sehr schön Dein Text! Und in dem ganzen sinnentleerten Spekatkel hat Du gut beobachtet, wie sich alle Feuilletons damit beschäftigen, weil sie glauben, so am hektischen Puls der Zeit zu sein. Ich bin auch dafür, das ernst zu nehmen, weil es ja ein Massenphänomen ist. Aber man muss sich doch nicht pseudo-jugendbewegt ranschmeißen, sondern kann wie Du genau analysieren, was die Faszination ausmacht. Ja, das hat schon was mit kollektiver Sedierung zu tun, wie der ganze Medienkonsum samt Influencer-Performance. Ich war früher ein Fan schwedischer Krimis, auch weil sie Sozialromane waren. Und dort wurde sehr früh das Aufkommen des Privatfernesehens in Zusammenhang mit der sozialen Frage gebracht. Wenn Du die Leute schon am Nachmittag zu Couch-Potatoes machst und mit Medienkonsum zufriedengestellt, begehren nicht mehr auf. Aber bewirkt hat es auch das das Gegenteil, heute ist das ein Potenzial für die ganze rechte Melange. Und dann erzählen uns Politiker immer, man müsse die Leute da “abholen”, wo sie sich befinden. Ja wo bittschön?

