Briefe an Laura

Erholung

23. Juni 2026 | Briefe an Laura

Liebe Laura,
Vom Philosophen Schopenhauer hatte ich es vor ein paar Tagen schon einmal. Ich muss nochmal bekräftigen und Dich fragen, wo ist die nächste Parkbank oder die beschattete Wiese, auf der Du Dich aus der Zeit fallen lassen kannst?
Dir geht es wie vielen: Rastlosigkeit ist die Signatur unseres Daseins. Es ist die Philosophie John Waynes, “erst schießen, dann fragen!” Wegen der Hatz durch den Alltag kam es auch zum momentanen Irankrieg.
Aber eins nach dem anderen: Du willst etwas erreichen das nach Deinem Willen, Deiner Vorstellung und Deinen Zielen entspricht. Du hast Wünsche, Sorgen und den Ehrgeiz Deine Bedürfnisse in möglichst kurzer Zeit zu realisieren. Damit stehst Du nicht alleine in der Welt. All dies Streben macht uns oft mehr als Urlaubsreif. Im Urlaub kommt oft auch keine richtige Erholung, weil wir unseren Konsumalltag trotzdem nich hinter uns lassen können. Ich kenne Leute, die machen Urlaub in der Konsumhölle Abu Dabis. Welch ein Wahnsinn, auf jeder Parkbank erreicht man mehr für seine mentale Gesundheit.
Diese, meine Ansichten sind natürlich nicht auf meinem Mist gewachsen, dazu braucht es aber auch keine Wiederkäuer wie heutige Coaches, Therapeuten und schon gar keine Influenzer. Gepriesen sei das Internet, jeder kann heute auf die drei Philosophen zugreifen die jetzt zu Wort kommen.

Schopenhauer meinte, mit der Betrachtung von Kunst, besonders aber in der Musik, könne man der Rastlosigkeit und Reizüberflutung entkommen, diese Zwänge vorübergehend abdrängen. Musik sei für ihn die höchste Kunstform, weil sie den Kern des Daseins unmittelbar ausdrücke. Sein Fazit: Kunst ist die einzige Möglichkeit um mental zu pausieren.
Ich füge noch hinzu dass es natürlich noch andere Möglichkeiten des Alltag-Austiegs gibt, beispielsweise das Wandern.

Später formulierte Theodor W. Adorno etwas Ähnliches in Bezug auf die kapitalistische Gesellschaft. Er sah wahre Kunst als Gegenpol zur Warenwelt, Widerstand zur Routine der gesellschaftlichen Anpassung. Kunst eröffne einen Freiraum des Denkens und Empfindens.

Auch Friedrich Nietzsche äußerte sich zur Kraft der Kunst. „Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen.“
Mit Wahrheit meinte Nietzsche, unsere reale Welt, den ganzen Scheiss um uns herum.
Man könnte, jetzt gedanklich durchgespielt, neben seiner Wohnung eine zweite anmieten. Anschließen holt man herüber waas einem wirklich wichtig ist. Die Folge wäre eine wohltuende Wohnung. Die alte Wohnung wäre zum gutgefüllten Müllplatz degradiert.

Irgendwo bei Kirchheim/Teck hockte ich mich hin, nahm den Zeichenblock und war in einer anderen Welt. Allerdings: Wer die Fremde nicht kennt weiß die Heimat nicht zu schätzen.