Briefe an Laura

Der Mord im Böblinger Wald

21. Juli 2026 | Briefe an Laura

Es ereignete sich am 7. Mai 1515 im Schönbuch bei Böblingen und wurde von Herzog Ulrich von Württemberg selbst begangen. Das Opfer war sein Stallmeister und langjähriger Vertrauter Hans von Hutten, ein Vetter des Humanisten Ulrich von Hutten.

1514 hatte Hans von Hutten Ursula Thumb von Neuburg geheiratet, die auch Herzog Ulrich leidenschaftlich begehrte. Der Herzog verlangte von Hans von Hutten, dass er den weiteren Umgang mit seiner Frau dulde. Hutten verweigerte dies entschieden. Der persönliche Konflikt zwischen den beiden Männern spitzte sich immer weiter zu.

Hans von Hutten hatte sein Dienstverhältnis mit dem Herzog bereits gekündigt, wurde aber dennoch zu einer Jagd im Schönbuch eingeladen. Rückblickend hätte er diese Einladung besser ausgeschlagen.

Im Wald schickte der Herzog seine Begleiter voraus und blieb mit Hans von Hutten allein zurück. Dort tötete er ihn mit mehreren Schwertstichen. Der Leichnam wurde später im Wald gefunden.

Die angesehene fränkische Adelsfamilie von Hutten forderte beim Kaiser Gerechtigkeit. Der Humanist Ulrich von Hutten, ein Vetter des Ermordeten, führte einen publizistischen Feldzug gegen Herzog Ulrich und stellte ihn als Tyrannen dar. Viele Adlige wandten sich daraufhin von dem Herzog ab. Wenige Jahre später wurde er durch weitere Konflikte – unter anderem den Überfall auf Reutlingen – politisch isoliert und 1519 aus Württemberg vertrieben.

Der Mord gilt beispielhaft für die Willkürherrschaft Herzog Ulrichs. Zusammen mit der Niederschlagung des Armen Konrad (1514) im Bauernkrieg, und seinen Konflikten mit den Landständen prägte die Tat das Bild Ulrichs als eines unberechenbaren und gewalttätigen Fürsten.

Der Onkel Ulrich von Hutten, der Humanist, der auf der wunderschönen Insel Ufenau im Zürichsee begraben ist, wurde durch Conrad Ferdinand Meyers Gedicht „Huttens letzte Tage“ ein literarisches Denkmal gesetzt. Darin finden sich die folgenden Verse:
Er war’s! Mir pocht das Herz von Groll bewegt,
Und jede Fiber zittert aufgeregt.

Er war’s! Er stand auf meiner Friedensstatt,
Der mir den Vetter Hans erschlagen hat.

Der ihm, zu seinem Weib entglüht in Lust,
Den Degen meuchlings rannte durch die Brust.

“Huttens letzte Tage” ist ein Epos, ein richtiges Buch, von ungefähr tausend Versen und wurde 1871 geschrieben. Darin wird die Krankheit des Humanisten beschrieben, das Scheitern seiner freiheitlichen politischen und religiösen Hoffnungen und letztlich auch sein Tod 1523.