Briefe an Laura

Ostinato der Gewalt

14. Juli 2026 | Briefe an Laura

Liebe Laura,
mit unserer momentanen Welt komme ich immer weniger zurecht.
Leben wir in einer Welt der Angstbeisser , oder hat sich in unseren Hirnen grundlos breitgefächerte Gewalt eingenistet?

Von 1968 bis in die Merkel-Ära hinein herrschten Frieden, Freude, Eierkuchen und immer wieder mal ein Bier zu viel. Die Bundeswehr wurde zu einem netten Verein deklassiert. Die Truppe mit einem neuen Gewehr auszurüsten, war bereits ein Nationalakt der Aggression. Das Tätervolk darf nie wieder Täter werden. So klang es aus allen Ecken.

Und jetzt entwickelt sich von der Jesuslatschenbeseeltheit alles ins Gegenteil. Verkehrte Welt. Streamingdienste wie Netflix und Prime Video senden millionenfache Killerserien, Mord und Totschlag, nicht weil sie böse sind, sondern weil wir Deutschen das wollen.

Die Models waren ehemals schon immer mager, aber einigermaßen froh. Heute werben die Models mit Zornblick, oder wenigstens total beleidigt. Aggressivität sickert ins Pantoffelkino und viele dröge Gemüter werden vom Sofa gerissen. Ab ins Fitnessstudio, Muskelaufbau mit allen Mitteln, denn alle wollen die Rächer der Enterbten sein. Es ist unglaublich lächerlich, dieser deutsche Michel als Sylvester-Stallone-Wiedergänger.

Muskelbepackte Weicheier benötigen die richtigen Accessoires. Nicht nur SUVs, die an Kriegsgerät erinnern, Karossen, deren Kühler man auch als Hackfresse bezeichnen könnte. An den Gewaltfantasien, die das Autodesign zeigt, erkennt man, wohin die Reise geht. Nach wie vor gilt mir das Fähnlein hochzuhalten und der weltweit schwindenden Ethik zu widerstehen. Dies ganz im Sinne unseres europäisch-klassischen Wertekanons, weniger Netflix, mehr Goethe.

Die Automobilindustrie produziert nur, was der Kunde gerne möchte. Power + Gewalt. 

Mit Porsche Cayenne fing alles an. Mittlerweile mehr Power. Für Mutti ideal, Kinder sicher zur Schule, auf dem Rückweg den Biosalat kaufen.