Vincents Tagebuch

Es gibt eine verbriefte Methode, wie man Spaghetti isst.

von | 24. März 2020 | Allgemein

Mit der Gabel greift sich der Kenner zwei bis drei lange Spaghetti und dreht sie dann. Dazu braucht man aber eine normale Gabel und kein Designergelumpe. Oft ist der Besteckgriff schick, dünn und rund, und so hat man seine liebe Not mit. Einen Löffel braucht es dafür nicht, denn die Teller Rundung erfüllt ja den gleichen Zweck. Dazu braucht es auch keinen verdammten Spaghettiteller, sondern einen Suppenteller, den man sich bei Oma ausleihen könnte.

Dann gibt es den Spaghettitopf meiner Frau, das sauteuere Ding hat einen einen zylindrischen Sieb, quasi einen löchrigen Topf im Topf. Zieht man das Siebteil nach oben kann man gut die Spaghetti ins Auge fassen. Gibt man dieses wieder zurück so läuft der Topf über. Bei italienischen Mamas sind solche Spielereien völlig unbekannt. Diese Künstlerinnen kochen womöglich in einem zerbeulten Alutopf, stellen eine Kaffeetasse in den Ausguss, dann kommt ein Salatsieb drauf, die Nudelei wird abgeschüttet und sofort oder in den Topf befördert.

Die genaue Dienstanweisung finden wir unter Überlebensrezepte.

Des Hohenstauferkönigs Friedrich II. Großvater, das war der Normannenkönig Roger II.
Im zwölften und 13. Jahrhundert überhaupt unter der Herrschaft des Schwabenkaisers Friedrich II. von Hohenstaufen, hatte sich das Land zur reichen Kornkammer des Abendlandes entwickelt. Der Geograph und Geschichtsschreiber jener Zeit, Al-Idrisi erwähnte bereits die Nudeln, die sicherlich aus Arabien stammen. Er sprach von Maccaruni, den heutigen Buccatini.

Auf dem Foto unten sieht man einen Teller, den ich in Palermo vor mir hatte. Spaghetti gibt es auf Sizilien nur für Touristen. Es werden unter die Buccatini (dicke Spaghetti, innen ganz gering hohl) Semmelbrösel gestreut. So lassen sie sich sehr bequem auf die Gabel rollen und glitschen nicht disparat wieder auf den Teller zurück. Das arabische Erbe in Sizilien ist immer noch präsent. Die Buccatini auf dem Foto sind mit Pinienkernen vermischt, eine Prise Zimt, gedünstete Zwiebeln kommen dazu und Rosinen dürfen nicht fehlen. Parmesan gibt es in der Sizilianischen Küchentradition nicht.

Es gibt eine verbriefte Methode, wie man Spaghetti isst.