Briefe an Laura

Es muss nicht immer ein Schwabe sein

5. Mai 2026 | Briefe an Laura

Liebe Laura,

Ganz klar, es gibt nichts genialeres als den Schwaben. Friedrich Wilhelm Schelling aus Leonberg, Hölderlin, Hegel, der in in Berlin ein Riesenpublikum und rasende Popularität erlangte. Die große Welt Berlins wartete fiebernd bis Hegel in seinem breiten Schwäbisch das Wort “ebbes” (etwas) in den Saal warf. Eduard Mörike darf man nicht vergessen.
Das restliche Deutschland war aber keineswegs hintendran. Einer der populärsten Dichter aus dem Großraum Berlin war Theodor Fontane. In Neuruppin wurde er 30. Dezember 1819 geboren. Es war die Zeit der Romantik, eine starke Zeit der Schwäbischen Dichtung. Fontane war einen Schritt weiter und näherte sich dem Realismus. Er war nicht nur Schriftsteller sondern auch scharf beobachtender Journalist. Unter seine Feder kam nichts Erfundenes oder Romanhaftes. Nein, er beschrieb die Wirklichkeit des 19. Jahrhunderts. Er skizzierte den Adel, das Bürgertum oder Zwischenmenschliches von Arm und Reich. Er schilderte gesellschaftliche Zwänge, Eitelkeiten, Moral und Doppelmoral.
“Effi Briest” von 1895 ist sein berühmtester Roman. Der Roman “Jenny Treibel” bietet Einblicke in die Berliner Haute-Volée. Er äzt darin gegen Geldgier, Heuchelei und Stolz. Sein letztes Werk ist der Roman “Der Stechlin”. Er handelt von den Reibungen zwischen Tradition und Fortschritt. Der gute Mann, der Theodor, starb 1898 in Berlin.

Mir kam dieser großartige Gesellschaftskritiker wieder in den Sinn als mir seine Reporterreise ins französische Kriegsgebiet von 1970 vor die Augen kam. Rudolf von Decker, der Chef des Verlags der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei in Berlin hatte Theodor Fontane seit 1864 unter Vertrag. Fontane arbeitete dort seit 1864 an einem umfangreiche Werk über Preußische Geschichte.

Er wurde auch dienstlich als Kriegsberichterstatter in den 1970-Krieg losgeschickt, um darüber zu berichten. Vorher hatte er schon über den Dänischen Krieg 1864 und den Österreichischen Krieg 1866 geschrieben. Er war absolut kein Kriegsbegeisterter, sondern erfüllte seine Pflichten der Berichterstattung.

Er wurde 1870 als Reporter in den Krieg gegen Frankreich geschickt. Er reiste über Weißenburg, Wörth, Sulz, Saarburg und Nancy nach Toul. Er wollte unbedingt einen kleinen Umweg nach Domrémy-la-Pucelle, dem Geburtsort von Jeanne d’Arc” machen. Das hatte auch ich schon lange vor, im Dezember letzten Jahres war es dann soweit, ich reiste dem Dichter hinterher.

Ich selbst reiste in Friedenszeit, Fontane aber nicht. Er wurde am 5. Oktober 1870 gefangengenommen. Leichtsinnigerweise hatte der erklärte Friedensmensch einen Dolch und eine Pistole, sowie Legitimationspapiere preußische Militärdienststellen im Gepäck. Außerdem trug der Dichter unbefugt am Arm eine Rotkreuzbinde.

Die lokale Militärbehörde hielt sich für den Fall Fontane nicht für zuständig. Sein Fall wurde durch die Instanzen gereicht und der vermeintlich preußische Spion Fontane unter den Attacken einer aufgebrachten und antipreußisch gesinnten Bevölkerung von einem Festungsort zum anderen gebracht. Die Odyssee führte ihn von Langres über Besançon nach der Atlantikinsel Oléron.
Fontane war von der Todesstrafe bedroht. Dass Fontane die zweimonatige Kriegsgefangenschaft überlebte, hatte er mehreren Rettungsinitiativen zu verdanken, an denen über 50 Personen beteiligt waren.
Fontanes Rettung erfolgte in drei Schritten: das französische Kriegsgericht in Besançon sprach Fontane vom Vorwurf der Spionage frei, ohne ihn aus der Haft zu entlassen. Der Erzbischof von Besançon, Kardinal Césaire Mathieu war ein wahrer Freund. Ihm verdankte Fontane seinen Status als Officier Supérieur. Über Kanzler Bismarck, das Kriegsministerium und das Auswärtige Amt sowie den US-amerikanischen Botschafter bekam er Hafterleichterung. Der französische Kriegsminister Léon Gambetta erwirkte dann auf Betreiben Bismarcks die Freilassung. Gambetta stellte die Liberationsordre (Entlassung auf Ehrenwort) für Fontane aus. Fontane schildert die französischen Nachbarn mit großer Sympathie und betont immer wieder die große Nachsicht, mit der nicht nur er, sondern auch die anderen deutschen Kriegsgefangenen fernab von Hass und Grausamkeit behandelt worden sind

Seine Bücher über diese Zeit habe ich mir billig in Antiquariaten besorgt. In einer späteren Ausgabe sind Briefe und Dokumente aufgeführt, die im Zusammenhang mit der Kriegsgefangenschaft stehen. Neben den Briefen an seine Familie und an Freunde ist auch das Schreiben von Bismarck an den US-Gesandten in Paris aufgeführt.

Wichtiges zu Jeanne d’Arc, der Jungfrau von Orléans. Sie rettete als Mann verkleidet 1429 im hundertjährigen Krieg die belagerte Stadt Orléans vor den Engländern und verhalf Karl VII aus dem Hause Valois (Kapetinger) zur Krönung.
1430 wurde sie von burgundischen Truppen, sie waren mit den Engländern verbündet, gefangen genommen. Beide wollten, wenn siegreich, das Königreich Frankreich als Beute aufteilen. Die Burgunder nahmen Jeanne d’Arc gefangen und lieferten sie an die Engländer aus. Ihr wurde Ketzerei angehängt, die damals inklusive Hexerei die bequemste Art sich eine Frau vom Hals zu schaffen. Am 30. Mai 1431 wurde sie im Alter von etwa 19 Jahren auf dem Scheiterhaufen verbrannt; ihre Asche streute man in die Seine. Sie wurde später rehabi.itiert und vom Vatikan heiligesprochen und ist nun Frankreichs Nationalheilige.

 

 

 

 


Domrémy-la-Pucelle, Geburtsort der famosen Johanna von Orleans