Vincents Tagebuch

Schlossfestspiele

von | 5. Juni 2018 | Allgemein

Vorletzten Sonntag erlebte ich den Höhepunkt meines Musikerdaseins. 

Bei den berühmten Ludwigsburger Festspielen mitwirken zu können ist schon etwas besonderes und mein Lampenfieber war beträchtlich.
Wir brachten „Pantheon“, eine umfangreiche Komposition von Patrick Bebelaar unter die begeisterten Zuhörer. 
Mit von der Parie waren Weltklasseleute: Carlo Rizzo am Tamburin, Herbert Joos, Trompete und Flügelhorn, einer der besten Tubisten der Welt, Michel Godard und der phänomenale Frank Kroll brachten den Ordenssaal des Ludwigsburger Schlosses zum Kochen. Patrick Bebelaar bediente den Flügel, dirigierte und verausgabte sich gehörig, damit Vincent nicht aus der Spur kam, mein Lampenfieber war nämlich beträchtlich. 

Hier ein kleines Interview aus dem Programmheft:

Sie sind für einen Koch literarisch sehr erfahren, nicht zuletzt auch durch ihre zahlreichen eigenen Publikationen. Was genau sind das für Texte, die der Sternekoch Vincent Klink für »Pantheon« schreibt?
Die Vorlage lieferte der Komponist Patrick Bebelaar. Sein Hintergrund für das Schreiben der Musik umkreist Freiheit in Religion, besonders im Hinblick auf Ökumene, auf tolerante Weltanschauung und Lebensart.  Im Grunde serviere ich nur Wissenswertes über den gedanklichen Hintergrund der Komposition. Weiterführend aber auch Erläuterndes zum Pantheon-Tempel in Rom, einem magischen Ort, den ich immer wieder mal besuche. Meine Inspiration und auch die des Komponisten gründen auf diesem Bauwerk. 
Wovon lassen Sie sich inspirieren? Spielen die Götter der Welt eine Rolle? Was sind ihre persönlichen Götter? 
Für den Monotheismus bin ich nur begrenzt zugänglich. Es ist doch herrlich, wenn man wie die Römer beispielsweise einen eigenen Gott und Aufpasser für das Saufen hat. Für jedes Problem gab es in der Antike einen übergeordneten hilfreichen Geist. Für die Gefolgschaft des Vatikans ist aus solcher Sicht die Rekrutierung einer Armee von Heiligen geradezu zwingend. Darüber hinweg führen solcherlei Gedanken bei mir zu der Gewissheit, dass letztlich in jedem ein Gott hockt, und niemand behaupten solle, er bete den alleinigen richtigen Gott an.  
Wie wirkt die Musik aus »Pantheon« auf Sie? Was für Gefühle wecken die Klänge in Ihnen? 
Ich bevorzuge ein zurückgezogenes Leben, so gut es geht. Die Musik, welche die pantheonschen Ziele beinhaltet, verschafft mir Weltoffenheit, um der Selbstgerechtigkeit, der Selbstzufriedenheit, dem Egoismus dem Verschmockten und Verhockten bestmöglich zu entgehen. Da ich Musik mit Improvisationsinhalten liebe, kommt auch immer etwas Unerwartetes auf mich zu, mit dem ich mich auseinandersetzen kann und das meinen Kopf lüftet.
Das Motto der Schlossfestspiele lautet dieses Jahr »Ins Ungewisse…«. Hat für Sie die Ungewissheit des Lebens auch ein Genusspotential? 
Zumindest hält diese Umstand mein Leben in genüsslicher Spannung. Gegen allzugroße Zukunfts-Überraschungen kann man sich schützen wenn man sich etwas mit Historie beschäftigt. Man wird erkennen, dass längst nicht alles so ungewiss, und dass vieles bereits einmal da war, wenn auch oft in anderem Gewande.