Vincents Tagebuch

Isny

von | 19. Mai 2018 | Allgemein

Am vergangenen Sonntag weilte ich zu einer Lesung in Isny im Allgäu. Da war ich vorher nie und im Nachhinein müsste ich mir Grund dieses Versäumnisses selbst eine reinhauen. Welch schöne, liebliche Landschaft, dermaßen unspektakulär, dass es schon wieder spektakulär ist. Unter den Allgäuern fühlte ich mich pudelwohl, was sich dann nach der Veranstaltung zu einem Elysium steigerte. Die Chefin des Kulturforums lud mich zu einem kulinarischen Großerlebnis ein. Mit ihr hätte es mir allerdings auch bei McDonald gefallen. So kam also alles zusammen was Freude macht und mir wurde wieder bewusst, dass mich nicht so in Hochstimmung kommen lässt wie ein gutes Gasthaus, die allerdings so selten sind, wie Eisberge auf dem Bodensee. 
Ehemals drei, mittlerweile noch zwei stattliche Gasthäuser mit breitem behäbigem Grundriss schützen den Platz vor dem Rest der Welt. Mein kulinarisches Wohlbefinden holte ich mir im „Hofwirtschaft zum Löwen“. Der Wirt pflegt noch eine Herde von 70 Pinzauer Rindern und dementsprechend könnte man die Küche von Josef und Astrid Ellgass auch ein Pantheon der Rindfleischküche nennen. Ich bestellte mir eine Rindsroulade, davor wurden Zungenravioli gereicht und dann probierte ich noch einheimische Käsesorten die verschiedenen Allgäuer Biersorten. Als seelisches Fortissimo erhellten mich schlussendlich diverse Enzianschnäpse, was meinem Befinden äußerst zuträglich war. Nach all der Atzung musste ich nur neben ins integrierte, moderne Hotel, um nochmal auf den Dorfplatz zu gucken um danach selig schlafen. Das Hotel ist architektonisch ein wirklich modernes, stilsicheres Kleinod. 
Müsste ich nochmal bauen, egal was, ich würde auf alle Fälle mich zu diesem Architekten durchfragen. Wirklich, es gibt wenig Hotels an denen ich nichts zu meckern entdecke. Aber schauen Sie selbst. Eine kleine Warnung muss ich jedoch aussprechen, die Geschmäcker sind ja vielfältig und noch mehr die Verirrungen: Wer unter dem Syndrom „Horror vacui“ leidet, wer sich also einsam und beklemmt fühlt, wenn nicht alles vollgestellt und die Wände vernagelt sind, der ist natürlich in Ruhpolding besser aufgehoben.