Karriere
Das Wort kann ich nicht leiden. Es hat mit Tempo und Rasanz zu tun, und dass man im Berufsleben möglichst schnell von Null auf Hundert kommt. Bevorzugt starten man auf kürzester Piste ohne jedes Fundament, genau dort, wo die Erfolgreichen nach Jahren angekommen sind.
So kann ein Leben zur schillernden Seifenblase werden. Oft ist es auch so, dass man in jungen Jahren kurzfristig viel Erfolg hat, frühzeitig (verfrüht) ganz oben ist. So kommt es gerne zum verfrühten Sinkflug. Umgekehrt ist es nachhaltiger, Treppchen für Treppchen schwer transpirierend nach oben steigen. Wenn ich mir die Genie-Verklumpung junger Spitzenköche am inneren Auge vorbeiziehen lasse, wird mir ganz bang. Ich denke, lieber eine harte Jugend und später ein schönes Alter, als wie heute gerne besungen, jung das Leben genießen und alt, arm und dann womöglich unglücklich verwehen.
Beruflich war mein Werdegang fürchterlich, in Schwäbisch Gmünd, viele nette Leute, aber trotzdem zu wenig. Ständige Existenzsorgen. Stuttgart war die Rettung. Ich schaue nicht gerne zurück, von wegen alte gute Zeit. Mit ein Promille Steigung führte der Weg über 50 Jahre zäh in die Höhe. Angekommen verbringe gerade als alter Knacker meine schönste Zeit und ich hoffe, dass das noch eine Weile anhält. Ich fühle mich als Glückspilz, das ist nicht jedem vergönnt, um so mehr bin ich demütig und dankbar.

