Vincents Tagebuch

Gmünder Batzenwurst

28. November 2025 | Tagebuch

Als Kind gab es auf dem Gmünder Maimarkt oder an Kirchweih extragroße, rote Bratwürste vom Holzkohlengrill. Ihnen zu Ehren habe ich unsere hausgemachte Wurst danach benannt. Am freien Montag sind die Köche in den Hotzenwald gefahren um eine ganze Sau abzuholen, die dort, am südlichsten Zipfel der Republik, geschlachtet worden war. Wenn man so weit fährt, um sich eine Sau zu sichern, muss das ein ganz besondere Sau gewesen sein. So war es dann auch. In der Wielandshöhe wurde sie dann fachmännisch zerlegt. Das Fleisch muss noch etwas reifen, aber für Wurst ist es von Vorteil wenn das Fleisch möglichst frisch ist. Viel Gewürze sind nicht dran, frischer Schwarzpfeffer, Meersalz, etwas Muskatblüte, das wars. Man muss bedenken, dass viel Gewürz immer dann nötig ist, wenn das Grundprodukt nicht ganz einwandfrei ist. Das krasseste Beispiel sind Currys. Erfunden in der Zeit als es noch keine Kühlung gab. Das Fleisch hatte einen Goût, so war es auch beim Wild. Wegen dieser Tradition schmeckt bis heute Reh nicht nach Reh, sondern nach Wacholder. Wie auch immer, Gewürze sind trotzdem eine geschmackliche Abwechslung bis hin zur Currywurst. Bei dieser Nationalspeise ist es ziemlich egal wie schlecht die Wurst ist. Curry und Ketchup werden es schon richten.

Die Schwäbisch Gmünder Batzenwurst ziert unsere Karte nun mit 22,00 Euro, ein Haufen Geld für eine Wurst, ein geringer Betrag für ein Kunstwerk. Die Wurst ist der Renner und beweist, dass der Schwabe nicht geizig ist. Er überlegt sich nur genau, ob so ein Gericht wirklich diesen Wert hat. Hat es! Auch das Sauerkraut, frisch, elegant und ein Gast meinte begeistert. “Endlich weiß ich dass Sauerkraut königlich sein kann.”

Kürzlich aß ich ein grauenhaftes Ossobuco für 16 Euro. Das kam mich sehr billig vor. Das Gegenteil traf zu, das Gericht war sauteuer und grauslig, keine zwei Euro Wert. Geld zum Fenster hinausgeschmissen, kurzzeitig hatte ich ärgerliches Magengrimmen.