Vincents Tagebuch

Das Selbstvertrauen und monströse Ego der Unwissenden,

13. April 2026 | Tagebuch

 

oder von der unbändigen Kraft der Dummheit.

Ich kannte einmal einen Koch, der stellte in seinem Restaurant keine Salz-und Pfefferstreuer auf den Tisch. Er würzte mit Perfektion und der Maître verfügte, diese darf nicht verändert werden. Im Falle des Pfeffers hatte er Recht, aber mit dem Salz lag er daneben. Ich empfinde viele Gerichte nicht versalzen, aber an der Grenze dazu. Generell ist es für ein Koch wichtig, mit Salz zurückhaltend umzugehen. Ich selbst, als abgewrackter Oldtimer, bewege mich so ökonomisch wie eine Schildkröte. Junge Menschen, womöglich machen sie Sport, benötigen viel mehr Salz, überhaupt dann wenn sie Schwitzen. Insofern verlangen meine Artgenossen verstärkt im Sommer mehr Salz als im Winter. Kurzum, deshalb steht bei uns ein Salzstreuer auf dem Tisch.

Manche Köche leben im Wahn der Selbstüberschätzung. Das ist sicherlich auch ein Werkzeug um sich behaupten, aber auch für divergierende Intelligenz, wenn vorhanden. Eine total  von sich überzeugte Dumpfbacke fuhr mich kürzlich am Marienplatz an. Ein junger Mann, er sah nicht nach deutscher Herkunft aus. Er hatte sichtbar massenhaft Zeit sich Gedanken zu machen. Er war womöglich der Schrecken seiner Eltern, die als schaffige Gastarbeiter unser Land damals  und bis heute retten.  Zugegeben ich bin oft nachlässig gekleidet. Der Jugendliche steckte in einem einem Polyester-Trainingsanzug offensichtlich von einem chinesischen Ramsch-Couturier. Er sah sich bemüßigt, einem deutschen Opa ein’s reinzuwürgen und spie es geradezu aus, es war ein stürmisches Geröchelt: “Ey Alter, wohnsch du Bahnhof?” Der junge Mann war total von sich überzeugt und wirkte verdächtig arbeitslos. Er wohnte aktuell offensichtlich nicht mehr auf einer Bahnhofsbank.

Eine andere Geschichte über starkes Ego: Ich kann das jetzt aus dem Gedächtnis nicht penibel wiedergeben aber die Geschichte geht ungefähr so: Donald Trump in seiner ersten Regierungsperiode war noch etwas zugänglich. Er empfing einige Journalisten und führte sie in seinen Salon. Die Truppe kam an einem Gemälde des Impressionisten Auguste Renoir vorbei. Ein luftig-sommerliches Werk mit einer jungen Frau in der Mitte sitzend, umgeben von einer Mohnblumenwiese. Donald Trump redete dauernd von seinen Schätzen. Er haute  schwer auf den Putz und verkündete den Journalisten „das hier ein August Renoir, einige Millionen wert.“ Ein Journalist murmelte, “das Original hängt im Kunstmuseum in Chicago”. Bei so einer Situation kommt jeder aus dem Gleichgewicht, nicht aber ein sortenreiner Narzisst. Den Zampano hatte der Einwurf des Journalisten überhaupt nicht gestört. “What the fuck, who cares!” Er war schließlich nur von Idioten umgeben und was er nicht hören will das hört er nicht. Ich selbst höre mir schon ein Leben lang Kritik genau an. Auch an ungerechtfertigter Kritik ist wahres und Nützliches zu finden. Gewiss, die Selbstzweifel dürfen nicht überhand nehmen und geurteilt wird erst nachdem ich eine Nacht vergehen lasse. 

Osterhasi hat enorme Selbstzweifel und zieht sich nun wieder ins Privatleben zurück.