Vincents Tagebuch

Fressen und Saufen

14. Februar 2026 | Tagebuch

ist ganz prima, aber nicht immer. Mein Großvater war Altphilologe, und vernünftig genießender Schwabe, am Rande der Askese. Als ich dem Willen meines Vater gehorchte, er was pathologischer  Hobbykoch und und Fresssack tobte der Großvater: “Nichts als Fressen und Saufen im Kopf!”
Er hatte einmal eine Begegnung mit dem Literatur-Nobelpreisträger Romain Rolland. Hier ein kleiner Textauszug aus seinem Buch “Meister Breugnon”

Mitte Februar 1918

In Bälde wird mein Keller leer sein. Die Soldaten, so unser Herzog, der Herr von Nevers, uns zur Verteidigung sandte, haben eben mein letztes Faß angezapft. Nun denn, verlieren wir keine Zeit und trinken wir mit ihnen! Mich zugrunde richten, gut, das will ich tun, indes auf lustbare Weise. So geschieht mir’s nicht zum erstenmal! Gefallet es Gottes Güte, wird’s, auch nicht das letztemal gewesen sein..

Die braven Burschen! Nun, da ich ihnen kundtue, daß der Wein zur Neige geht, sind sie betrübter noch als ich. Ich kenne etliche unter meinen Nachbarn, die solcher Verlust gar leidvoll stimmet. Mir kann es nimmer etwas anhaben. Dazu bin ich allzu abgebrüht. Zu oft in meinem Leben habe ich das Spektakel gesehen. Ich vermag nimmer die Komödian­ten ernst zu nehmen. Gar unterschiedliche dieser Soldaten­fratzen habe ich zu schauen bekommen, seit ich auf der Welt bin: Schweizer, Deutsche, Gascogner, Lothringer, lauter Kriegsvolk, den Harnisch auf dem Buckel und die Waffe in der Faust, Vielfresser,, ausgehungerte Windhunde, die es niemals müde werden den schlichten Bürger auszuplün­dern! Wer hat je erkunden können, um welcher Ursach sie sich eigentlich schlagen? Gestern für den König, heute für die Liga. Einmalen sind’s die Pfaffen, zu andern Malen die Hugenotten. Sie sind sich alle gleich. Der Beste von ihnen ist den Strick zum Hängen nicht wert. Was kümmert uns, ob dieser oder jener Räuber dem Hof mit Schelmenstreichen zusetze? Und wenn ich gar ihrer Anmaßlichkeit denke, mit der sie den lieben Gott in ihre Händel mengen — potz Zickel! Lasset den lieben Gott nur ruhig machen, liebe Leute, er ist alt genug!

Mein Held der Saison. Romain Rolland, Hüter der Vernunft. Genuss bedeutet, sich rechtzeitig zu Bescheiden.