die 40 Tage frohe Ostern haben auch eine spirituelle Bedeutung im Gedenken an die vierzigtägige Eremitage von Jesus in der Wüste. Die Fastenzeit dient der inneren Einkehr, der Selbstfindung und auch einem Wechsel der Gewohnheiten.
Schlaue Mönche macht daraus eine Art Schatzkammer kreativer Küche um trotz aller Einschränkungen Vorteil hast diese Zeit zu gestalten. bis heute bedient man sich gerne an den Paktiken der Cucina Povera, der Armenküche. Wer nicht viel hat, der braucht Geschick und Phantasie, um in der Küche zu zaubern. In heutig, vollfetten Zeiten jedoch muss man sich nicht viel Mühe geben. Die Spitzengastronomie widmet sich leider einem äußerst geringen Resevoir an Lebensmitteln, Wachtel, Taube, Perlhuhn, Poularde, Ente, Lammrücken, Rinderfilet und Rücken, wenig Gemüse u.s.w. Es kamen noch asiatische Einflüsse dazu. Oftmals. Bedeutet Kreativität, das ungewöhnliche Zutaten kombiniert werden die oft gar nicht zusammenpassen, abgerundet durch eine geschwollene Speisekartensprache.
In Sicht auf diese Umstände gibt es kräftige Gründe sich an die Regeln der traditionellen Fastenzeit zu halten. die strengsten Zeiten des Mittelalters sind Gott sei Dank vorüber. Während der Fastenzeit im Jahr 1538 zu Paris, wurden Sünder die Fleisch gegessen hatten verbrannt. Johannes Sleidanus, *1506 in Schleiden; † 1556 in Straßburg war ein Jurist und Diplomat aus dem damaligen Herzogtum Luxemburg. Er berichtet von einem jungen Edelmann der für sein Fleischessen bestraft wurde indem man ihn selbst röstete. Nur die Flucht rettete drei Niederländer aus diesem Bratfeuer. Nachzulesen bei Jean Paul.
Als Koch empfinde ich die Fastenzeit nicht als religiöses Gesetz sondern als eine Gewohnheitsunterbrechung zur Vernunft. Viele denken an Einschränkung, aber das Gegenteil ist der Fall.
Da wären zuerst einmal die Schnecken, dann natürlich Fische und Krustentiere aller Art, auch Froschschenkel, die wir in unseren Gefilden verkneifen. Eierspeisen aller Art und nicht zu vergessen, bieten sich flaschenweise Weintrauben in bestvergorener Virtuosität.
Selbstverständlich nicht zu vergessen den Reichtum der pflanzlichen Natur.
Nun meine Lieblingsgerichte:
Krautspätzle (Geschmelzte Spätzle schichtweise mit Sauerkraut in den Ofen geschoben und obenauf braune Zwiebeln). Dieses Gericht kochte meine Mutter auch außerhalb der Fastenzeit, es schmeckte wirklich klasse und macht mich heut noch ganz verrückt.
Als nächstes Spinatknödel, in reichlich brauner Butter geschwenkte Serviettenknödel, Filderkraut-Zigarren mit braunen Zwiebeln gefüllt, (Blätter in Salzwasser einigermaßen weich kochen, trockentupfen braune Zwiebeln drauf verteilen, ein bisschen Parmesankäse dazu, alles zu einer Zigarre wickeln und in Butter braten). Kartoffelgröstl mit Salat und einem Humpen Bier schmeckt so köstlich wie ein Linsengericht.
Mit Reis kann man viel anstellen, Basmatireis ist allgegenwärtig. Ich liebe aber ganz besonders den Langkornreis als Pilaw. (Fein geschnittene Zwiebeln anschwitzen Langkornreis in den Topf und vier mal so viel Gemüsebrühe drauf. 20 Minuten mit Deckel bei kleinem Feuer köcheln, würzen kann man nach Belieben).
Risotto wäre auch eine feine Sache, vielleicht mit Trevisano oder Radicchio und Parmesan drüber. Gibt man getrocknete Pilze hinzu hat man auf alle Fälle ein edles Gericht. Aus dem Kanton Graubünden gibt es Capuns, Mangoldblätter, blanchiert und mit Semmelknödel Masse gefüllt, original mit Speck, den kann man weglassen oder man genießt als Sünder. Dieses Gericht entspricht, ungefähr den schwäbischen Fröschle.
Sehr große Zwiebeln, fast 2 Stunden im Ofen bei 200°, Deckel abschneiden, aushöhlen und das Innere hacken, würzen, einfüllen und noch einmal im Ofen erwärmen. Mit einem Eigelb in der Mitte servieren.
Gefüllte Pfannkuchen, das wäre ein Universum für sich. Mit Käse gefüllt, mit Kräutern gerollt, mit Spinat gefüllt und so weiter. Dazu gehört auch Ofenschlupfer und Pfitzauf.
In der italienischen Pastaküche finden sich unzählige Rezepturen, die ohne Fleisch auskommen, billig sind und teuflisch gut schmecken.
Die Österreicher lieben Kartoffelgulasch, letztlich drei Zutaten, Kartoffeln Zwiebeln, Tomatenmark, Paprikapulver und Kümmel. Bündner Gerstensuppe ist der Hammer, dann Linseneintopf und vieles mehr. Wenn ich nicht so faul wäre, würde ich jetzt noch mindestens hundert weitere Gerichte aufschreiben, allein was man mit Pizza, schwäbischen Dinnete, Salzkuchen, Zwiebelkuchen und all dem Fladenbrot anstellen könnte…

