liebe Laura,
wenn ich auch nur ein kleiner Partikel unter den Lebenden bin gehört es für mich und meine innere Ruhe im Mund, dazu alt, europäische Ethikwerte hochzuhalten und mich für Frieden einzusetzen.
auch dir möchte ich den Humanisten der Renaissance in Deutschland, Sebastian Franck ans Herz legen. Du weißt sicher von meinen Büchlein, dem Kriegsbüchlein des Friedens. Lese immer wieder darin.
hier noch eine kleine Beschreibung aus einem Jahr unbekannten Feder.
Friede auf Erden – der biblische Wunsch ist aktuell wie eh. und je. Die Schrecken des Bauernkriegs lagen noch nicht lange zurück, als Sebastian Franck schrieb: „Der Krieg zerbricht, zerstreut, verheert alles wie einbehend tödlich Gift, was der Fried’ bauet, zusammenhält, aufrichtet.”
Der Autor, 1499 geboren, studierte katholische Theologie mit Johannes Brenz und Martin Bucer. Wie sie wandte er sich dem Protestantismus zu, ging aber bald auf Distanz zu Martin Luther und gehörte wie Thomas Müntzer zum radikalen Flügel der Reormation. Er lehnte kirchliche Amtsstrukturen ab, suchte den Glauben im Spirituellen und im „inneren Wort”, propagierte Toleranz gegenüber Andersgläubigen. Wegen seiner radikalen Ansichten nannte ihn Luther einen „bösen giftigen Buben”, für Ernst Bloch dagegen war er einer „der echtesten Bekenntnischristen gegen die Schinder und Mörder”. Mit seinen Schriften, die er oft selbst druckte, geriet er ins Visier der Zensur, wurde aus mehreren Städten ausgewiesen, kam über Straßburg, Esslingen und Ulm nach Basel, wo er 1542 starb. Das Büchlein mit seinen Gedanken zur Friedensethik, das er unter dem Pseudonym Friedrich Wernstreyt 1539 veröffentlichte, wurde in der Edition Vincent Klink als schön gestaltete Ausgabe herausgegeben. Auf dem Titel trägt das Lamm Gottes kein Kreuz, sondern eine Hellebarde und enthält Beiträge von Vincent Klink sowie von dessen Großvater Vinzenz Klink.
