Liebe Laura,
neulich ist mir ein Buch in die Hände gefallen, kein bibliophiler historischer Schmöker, für die ich bekanntlich ein Faible habe, sondern ein hochaktuelles Buch unserer Zeit.
Kapitalismus: Geschichte einer Weltrevolution von Sven Beckert,
seines Zeichens Havardprofessor, Rowohlt Hamburg. Laut New York Times eines der 100 wichtigen Bücher.
Es handelt von der Globalgeschichte des Kapitalismus, dieser Wirtschaftsform, die über etwa ein Jahrtausend sämtliche Kontinente erfasst hat. Ganz grob gesagt, es fing nicht mit der Industrialisierung an sondern mit früherer Ausbeutung, insbesondere der Slaverei. Später kam Kolonisation dazu. Mit der späteren Industrialisierung wurden die Werktätigen scheinbar frei, waren aber unterbezahlt und meist völlig der Übervorteilung ausgeliefert. Salopp könnte man von bezahlter Sklaverei freisprechen. Egal was die Welt umtreibt, es läuft gerne auf Optimierung hinaus, im Guten wie im Schlechten. Das Schlechte überwiegt und der Kapitalismus geriet immer mehr in die Rücksichtslosigkeit.
Dabei fällt mir Grönland ein. Man muss kein Politikwissenschaftler sein, um zu erkennen, dass es nicht um nationale Sicherheit geht, denn die USA haben im Norden einen Stützpunkt namens Thule. Platz ist genug. Laut Aussage von Kanzler Merz waren einmal 30.000 Soldaten stationiert, jetzt sind es noch 200. Mit einem Bedrohungsfall kann also nicht gerechnet werden. Das mit der Bedrohung der Nationalen Sicherheit ist also eine komplette Lüge. In Grönland geht es um Bodenschätze. Schon seit der ersten Regierungszeit von Donald Trump haben sich die Superreichen in Grönland ihre Claims abgesteckt. Alle stehen auf der Matte: Jeff Bezos, Bill Gates und Michael Bloomberg investierten beispielsweise ab 2019 in das Start-up KoBold-Metals. Die Kobolde auf der Insel suchen nach kritischen Rohstoffen für Elektronik und Batterietechnik und setzen dabei auf KI-gestützte Exploration. Ich hätte nie gedacht, dass man Raubtierkapitalismus noch steigern könnte. Raubtierkapitalismus bedeutet mittlerweile, Kriege der Gier. Ich spreche nun von Steigerung von Monsterkapitalismus. Wir Deutschen aber können stolz sein, wir haben uns die soziale Marktwirtschaft aufs Panier geschrieben. Kapitalismus ist letztlich etwas Gutes, wenn Vernunft und Rücksicht walten.
PS: Baruch de Spinoza: „Denn der Friede ist nicht bloß die Abwesenheit des Krieges, sondern eine Tugend, die aus der Stärke des Charakters entspringt.“

