Briefe an Laura

Stoa, Wege zum Glück

28. November 2025 | Briefe an Laura

Liebe Laura,
immer wieder sagen mir Leute, dass ich so selbstsicher und gut in mir ruhen würde. Laura, das hat seine Gründe. In meiner Lehrzeit hatte ich meinem Vater ein Buch geklaut. Es war aus dem Krönerverlag, handlich, blau in Leinen gebunden und hatte den Titel die, Griechische Antike, oder so ähnlich. Darin wurde auch die Philosophie der Stoiker abgehandelt.

Was ist die Stoa?
Die Stoa (oder Stoizismus) entstand im 3. Jahrhundert v. Chr. in Athen. Ihr Gründer war Zenon von Kition, der seine Lehre in einer bemalten Säulenhalle, der Stoa Poikile, verkündete. Später wurde die Stoa durch römische Denker wie Seneca, Epiktet und Marcus Aurelius geprägt.
Ziel der Stoa ist:
Ein gutes, freies und gelassenes Leben zu führen, unabhängig von äußeren Umständen.
Lebe gemäß der Vernunft (Logos)
Stoiker glauben, dass das Universum von einer rationalen Ordnung durchzogen ist.
Wer vernünftig handelt, lebt im Einklang mit dieser Ordnung.
Also: klar denken, bewusst entscheiden, sich nicht von impulsiven Gefühlen leiten und treiben lassen.

Die vier Grundtugenden sind wichtig: Weisheit – die Welt verstehen und richtig urteilen, Tapferkeit (Mut),  Schwierigkeiten mit Standhaftigkeit begegnen, Gerechtigkeit – fair und moralisch handeln, Mäßigung – Maß halten, im Gleichgewicht bleiben.
Alles andere,  Reichtum, Gesundheit, Erfolg sind nützlich oder schädlich, moralisch jedoch weder gut oder schlecht.

Der griechische Philosoph und Stoiker Epiktet unterschied das Kontrollierbare, meinte damit deine Entscheidungen, deine Werte, deine Reaktionen, dein Verhalten. Unkontrollierbare Machtlosigkeit hat man gegen das Wetter, die Meinung anderer, Zufälle, Krankheit, politische Entwicklungen

Stoische Gelassenheit entsteht, wenn man seine Energie nur auf das richtet, was man wirklich beeinflussen kann. Bei aller Disziplin wollen Stoiker Gefühle jedoch nicht abschaffen sondern wollen sie in geordnete Bahnen lenken.
Negative Affekte entstehen, wenn wir Situationen falsch bewerten: Stoa sucht klares  Urteil die übertriebene Bewertungen zu bremsen.

Es geht auch um das gedankliche Durchspielen möglicher Schwierigkeiten, um ruhiger zu reagieren und vorbereitet zu sein.

Letztlich: Memento Mori: Bewusstsein der Sterblichkeit – nicht morbide, sondern unausweichlich und deshalb überlegenere Lebensökonomie : Es hilft, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und bei starken Gefühlen sich zu fragen: „Ist das wirklich schlimm oder denke ich nur, dass es schlimm ist?“
Also: Bei Angst frage ich mich, ist sie nur schlimm gefühlt, oder abwägend, kommt alles viel schlimmer.

Bei Wut heißt es für mich klar zu überlegen ob Verluste daran schuld sind, mir etwas genommen wurde das ich nicht verlieren will? Hat mir jemand Unrecht getan? Dann frage ich mich, ob ich etwas daran ändern kann. Man sagt allgemein, dass man Probleme verarbeiten muss. Hilfreich ist oft auch das Verdrängen. Die Gegenwart ist mir wichtig, trotzem immer den Blick auch auf’s Vergangene. Nur wenn ich weiß wo hinten ist, weiß ich auch wo vorne ist. Die Zukunft betrachte ich skeptisch. Man soll den Tod fürchten aber trotzdem im Hier und Jetzt handeln.

Traditionell zeigt Stoa auf richtiges denken, richtiges Argumentieren und auf Erkenntnisgewinn. Naturwissenschaften sind in meiner stoischen Lebensgrundierung wichtig, erklären mir wie die Welt aufgebaut ist (kosmische Ordnung, Naturgesetze, Vernunftprinzip). Und letztlich, Stoa empfiehlt uns, wie wir ethisch gut handeln sollten.

Stoizismus ist ein gutes Lebensmittel für heutige Zustände. Er hilft gegen Stress, fördert emotionale Widerstandskraft, verbindet Klarheit, Ethik und praktische Lebensführung und ist unabhängig von Religion, insgesamt ein gute Hilfe für den Alltag und gegen Krisen.

PS: Liebe Laura, glaube ja nicht, dass ich von Zenon alles verstanden hätte. Ich halte es wie mit meinem Trompetenprofessor, als ich Unwürdiger mich bei ihm beklagte, dass ich trotz vielen Übens eher rückwärts mache. Ich glaube, er wusste nicht was Stoa ist, aber er hatte es in sich, er sagte: “Nicht rumjammern, einfach weitermachen”.
Dieser Satz ist sehr wichtig, denn das Leben ist wie ein Autobahn, mal eben, mal geht’s abwärts und dann wieder aufwärts.