Liebe Laura,
gestern geriet ich an das Thema “Werwolf”. Ich dachte immer, das wären junge Nazibuben gewesen, die quasi als Partisanen die Amerikander aufhalten wollten. Es ist ganz anders und viel älter.
In der Literatur sind etwa 250 Werwolf-Prozesse, paralell zu Hexenprozessen, vorwiegend im Rheinland aus der Zeit zwischen 1423 und 1720 belegt.
Wer = Mann, Wolf = Wolf. Germanisch “Weraz” = Mann.
Der „Wolfsbauer von der Alb“
Schwäbische Werwolfgeschichten sind weniger blutrünstig als rheinische oder norddeutsche Varianten, stärker moralisch geprägt (Strafe für Sünde, Fluch, Schuld), oft eng mit christlicher Symbolik verbunden und meist als Dorfsagen über „verfluchte Menschen“ überliefert. Man sprach in Schwaben nicht vom Werwolf sondern mehr von: „a Mensch, der als Wolf goht“
Historischer Hintergrund
Die Sagen entstanden in Zeiten realer Wolfsgefahr auf der Alb auf Grund von Verlusten von Schafen, grundsätzliche Angst vor Raubtieren, vor sozialen Außenseitern und religiösen Schuldvorstellungen.
Die Legende
Der Wolfsjäger von der Schwäbischen Alb
Auf der Schwäbischen Alb, in einem kleinen Dorf zwischen Wald und Wiesen lebte vor Jahrhunderten der Jäger Konrad. Als Naturbursche und Eingeborener kannte jeden Pfad und auch die Fährten der Tiere. Die Dorfbewohner empfanden ihn als Sonderling. Er sprach wenig, ging nur nachts in den Wald und seine Augen wirkten hell und ungewohnt. Eines Winters wurde im Dorf ein Wolf gesichtet.
Er riss Schafe, zerrte Kälber aus den Ställen und hinterließ Spuren, die größer waren als die jedes gewöhnlichen Tieres. Die Menschen fürchteten sich, denn der Wolf zeigte keine Scheu vor Menschen und wich selbst bewaffneten Männern nicht aus. Ein Bauer stellte dem Tier in der Dunkelheit nach und traf es mit einer Kugel an der Seite. Der Wolf heulte auf und verschwand im Wald.
Am nächsten Morgen fand man Konrad malad in seiner Hütte. Er hatte eine frische Schusswunde An genau derselben Stelle an der der Wolf getroffen wurde, klaffte dem Konrad eine Wunde. Ohne Zweifel ein Streifschuss. Konrad behauptete, im Wald gestürzt zu sein, doch niemand glaubte ihm.
Die aufmerksamen und auch beträchtlich neugierigen Dorfbewohner überwachten wie Konrad jeden Abend vor dem Schlafengehen einen alten Ledergürtel anlegte. Als man ihn heimlich verfolgte, beobachtete man, wie er sich im Mondlicht auf den Boden warf, sich wand und schließlich in einen Wolfe verwandelte. Mutige Männer überwältigten ihn noch im Morgengrauen und nahmen ihm den Gürtel ab. Mit einem letzten Aufschrei nahm er wieder menschliche Gestalt an.
Weinend gestand Konrad, dass er einst aus Habgier einen Schwur gebrochen und dafür verflucht worden sei. Seitdem müsse er jede Nacht als Wolf umherstreifen, bis ihm jemand den Gürtel entreiße. Der Fluch war gebrochen, doch Konrad verließ das Dorf für immer. Man sah ihn nie wieder.
Was ich nicht erfahren konnte, noch heute erzählen sich die Menschen auf der Schwäbischen Alb, dass man in stillen Winternächten manchmal ein einsames Wolfsheulen hört – nicht voller Wut, sondern voller Trauer.
Und dann sagt man:
„Das ist der Wolfsjäger, der einst selbst ein Wolf war.“


