Philosophie

ein berühmter Philosoph saß einmal an Tisch vierzehn. Ich begrüßte ihn artig. Er schwelgte sich durchs Menü und ich ich sah ihm nach einer Stunde an, das er in gut aufgeräumten Zustand sich befand, so traute mich ihn anzusprechen. “Herr…ich habe alle Ihre Bücher”, den Mann überzog eine freudige Mimik, “alle Ihre Bücher habe ich, aber ich verstehe fast nix”. Große Pause, dann antwortete der Geistesriese mit gewissem sarkastischem Grinsen, auch Wolfsgrinsen genannt, “Lieber Herr Klink, wenn sie meine Texte verstehen würden, dann wäre ich kein Philosoph.” Meine psychologische Erfahrung, die mittlerweile in Demut sich kanalisierte, gestatte mir eine Lässigkeit, die mich fast veranlasste ihm kumpelhaft auf die Schulter zu hauen. Ich landete noch so manchen Satz und einer zielte auf den Umstand, dass man als großer Wissenschaftler nicht dem Volk verständlich sein will, sein Werk nicht dem Publikum nutzbar machen sollte. Nein, man richtet seine Schreiberei, der Reputation und Eitelkeit geschuldet, an die eigene Zunft.
Ich denke jetzt an eine Art Gockelkampf im intellektuellen Hochfrequenzterrain. So ist die Menschheit von oben nach unten und umgekehrt durchgetaktet. Es geht immer um Abgrenzung und das Abstecken des eigenen Niveaus nach unten.

Heute kam die Philosophiezeitschrift “Der Blaue Reiter ins Haus”. Seit Jahren abonniert, wenngleich mir die Geduld und Zeit fehlt mich dort in so manche Hirnakrobatik hineinzufräßen. Wenn man jedoch in dem Heft auch nur die Hälfte liest, so bleibt doch oft mehr hängen als beim vertiefen in einen Fünfhundertseitenroman.

Im Begleitbrief des Heftes steht folgendes: Alles was Albert Camus nach eigenem bekunden über Moral und menschliche Verpflichtungen wusste, verdanke er dem Sport. So war ihm die Erfahrung, dass beim Fußball der Ball nie so auf einen zukommt, wie man es erwartet, eine Lektion fürs Leben.

Ich werde also dieses Heft genauer lesen und wahrscheinlich anschließen meine Abwehrhaltung gegen Sport beerdigen. Ich war ja eigentlich immer für den Sport, ein wichtiges soziales Instrument für die Menschheit. Erst so richtig zufrieden wäre ich aber,  wenn den Institutionen Fifa und Olympia die Geldgier und das Raubtierhafte ausgetrieben wäre.