Dienstagsausflug

Dienstagsausflug

Fast jede Woche am freien Tag ist ein Ausflug fällig. Das war vor vielen Jahren mit meiner Frau Elisabeth schon so. Oft fährt Eva nun mit, aber heute musste sie die Blumen neu machen. Das dauert den ganzen Tag, mindestens acht Stunden. Auf meine Einwände, sie könnte sich doch das Leben leichter machen, erwidert sie jedesmal, dass sie Freude daran habe, und dass sie die Arbeit   mit Lust und in Ruhe machen möchte. Nun ja, es gibt für den Vater nichts zu klagen. Es ist auf alle Fälle für mich schön, dass man solche Üppigkeit in ganz Deutschland nicht mehr findet.

Also ziehe ich alleine los. Der Weg führte über Burladingen, Kornbühl, die Burg Hohenzollern grüßte, zu Hechingens Synagoge. Dann kam mir in den Sinn, dass ich in der Herrenberger Stiftskirche mir mal die Kopie des Herrenberger Altars von Jerg Ratgeb anschauen könnte. Mit dem Navi ging es durch mir völlig unbekannte Gegend. So soll es sein, denn mein Schwabenland besser kennenzulernen ist mir eine wahre Obsession. Die Straße führte über Owingen, der Name war mir bekannt. Dann stand an der Straße der Hinweis auf eine “Weilerkirche”. Nichts wie hin. Das war der Höhepunkt des Tages. 1152 fand die Einweihung statt. Romanisch und ganz wunderbar anzuschauen hatte ich Mühe ein Foto zu machen, denn vor Kälte schüttelte mich der Zitterer.
In der Jugend wollte ich immer möglichst weit weg aus Schwaben, jetzt ist es umgekehrt. Wir leben in einer herrlichen Landschaft mit tiefgründiger Kultur. Da man hier solche Gefilde erleben kann, würde ich eine Reise nach Abu Dhabi als Strafe empfinden.

In Herrenberg: Die Stiftskirche offenbarte sich als veritable Klettertour. Die Kirche liegt hoch über der Stadt. Unglaublich steile Treppen hangelte ich mich hoch.  Oben keuchend angekommen wird die ganze Kirche durchsucht, der Ratgeb-Altar ist nirgends zu finden. Mir war es nicht ganz egal. Um mich weiters zu ärgern fehlte mir die Kondition und ich tröstete mich auf schwäbisch: “So isch’s halt!”

Mit Eva traf ich mich dann zum späten Abendessen im “Restaurant Fässle” in Degerloch. Welch ein Trost, welch gutes Essen und kompetenten Service, und dann noch eine Flasche roten Chinon und final ein Glas Banyuls hinterhergeschoben. Schwaben meckern ja immer, aber nicht heute.