Liebe Laura, man kann es erleben in den USA, wunderschöne Landschaft, bewundernswerte Einwohner. Es gibt aber auch noch eine andere Hälfte der Bevölkerung, die andere Seite der Medaille. Der Dichter Nikolaus Lenau (1802-1850) liefert uns Nachdenkenswertes. Hier nun sein Originalton:
Er gehörte zum Freundeskreis von Justinus Kerner aus Weinsberg. Der große österreichischer Dichter kaufte bei Pittsburg 400 Morgen Land, er wollte Amerikaner werden. Das ließ er dann bleiben: An seinen Schwager Schurz in Wien schrieb er: „Bruder, diese Amerikaner sind himmelan stinkende Krämerseelen. Todt für alles geistige Leben, maustodt. […] Man darf diese Kerle nur im Wirthshause sehen, um sie für immer zu hassen. […] Da erschallt die Freßglocke, und hundert Amerikaner stürzen herein, keiner sieht den andern an, keiner spricht ein Wort, jeder stürzt auf eine Schüssel, frißt hastig hinein, springt dann auf, wirft den Stuhl hin, und eilt davon, Dollars zu verdienen.“
Im März 1833 schrieb er über die Amerikaner: „Ihre Rauheit ist aber nicht die Rauheit wilder, kräftiger Naturen, nein, es ist eine zahme, und darum doppelt widerlich.“ Er habe in Amerika noch keinen leidenschaftlichen Menschen gesehen. Auch die Natur sei hier „entsetzlich matt“. So gebe es „keine Nachtigall, überhaupt keine wahren Singvögel“. Zusammenfassend urteilte Lenau, Amerika sei „das wahre Land des Unterganges“.
In einem weiteren Brief schrieb Lenau: „Ich war häufig in musikalischen Gesellschaften, wo junge Damen sich singend hören ließen. Ihr Ton war […] ein sonderbares Geschrille, das höchstens dem einer Möve ähnlich kommt. […] Die Bildung der Amerikaner ist bloß eine merkantile, eine technische. Hier entfaltet sich der praktische Mensch in seiner furchtbarsten Nüchternheit.“ Industrie und Handel seien ebenso „bodenlos“ wie die politischen Institutionen. Jeder sei nur auf seinen Privatbesitz bedacht: Der Amerikaner „kennt nichts, er sucht nichts, als Geld, er hat keine Idee“. Lenaus Verachtung für Amerika klingt auch in dem Ausdruck „das englische Talergelispel“ in seinem Gedicht Das Blockhaus (1839) an. Justinus Kerner, der Arzt und Dichter aus Weinsberg, berichtete 1850 in einem Brief, Lenau habe nach seiner Rückkehr aus Amerika gesagt: „Das sind verschweinte, nicht vereinte Staaten von Amerika.“

