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Küchenzeiten:
12.00 - 13.30 Uhr
18.00 - 20.30 Uhr

Signatur Vincent Klink Vincent Klink
Von der Kraft des Handicaps:
Grimod de la Reynière. 
Das bizarre Genie ohne Hände.
Von der Kraft des Handicaps:
Grimod de la Reynière.
Das bizarre Genie ohne Hände.
XXXXX
Philosoph, Gourmet, Behindert und beneidet. Aus steinreicher Familie gebürtig, überlebte er die französische Revolution. Im Grunde war dies bereits eine Lebensleistung. Unter Napoleon gab Grimod denkwürdige Feste, schrieb nicht nur den ersten Restaurantführer sondern auch einen Küchenkalender und ein Regelwerk für Einladungen und Feste.
Sein Buch "Die Grundzüge des Gastronomischen Anstands" wird in prachtvoller Ausstattung von Vincent Klink eingeleitet. Es wird sein bizarres Leben beschrieben und der zweite Teil des Buch enthält seinen Küchenkalender, der von Vincent Klink mit Kommentaren, Geschichten und Rezepte angereichert ist.

Damit geht Vincent Klink auch auf Lesereise für Buchhandlungen und Kultureinrichtungen.
Anfragen mit Musik und ohne bei:


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Restaurant Wielandshöhe
- Vincent Klink -
Alte Weinsteige 71
70597 Stuttgart-Degerloch

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Immer wieder die Frage: "Ist der Chef auch da?"
Antwort »
Ich werde ab Januar 2017 zweimal monatlich, jeweils am Donnerstag, im ARD-Mittagsbuffet kochen.
Darüber hinaus bin ich „Live“ im Restaurant, und zwar täglich, ohne Ausnahme.

März 2017

24. März 2017

Wir sind ja für bodenständige Küche bekannt. Richtig ist aber, dass wir uns ganz nach den Jahreszeiten und auch den Temperaturen richten. Im Winter braucht es wärmende Spätzle, Soß, Schwein und Rind.
Nun hat unsere Frühlingsküche begonnen mit Lachs und grünem Spargel aus Süditalien.
Clairfontaine, ein sehr schönes Wort für Sülze. Diese hier ist vom Steinbutt mit etwas Safran. Sehr erfrischend, leicht und im Grunde die Sonne auf dem Teller.
Gezüchtete Süßwassergarnelen kommen mir schon lange nicht mehr ins Haus. Die Garnele nebenan kommt aus dem Meer und hat fast die Größe einer Languste. wir sind stolz, dass wir so etwas anbieten können, denn solches kann man nicht an jeder Ecke kaufen. Das mag auch daran liegen, dass diese Garnelen durchaus genauso teuer sind wie Langusten.

11. März 2017

Wir Stuttgarter sind wegen unserer Kehrwoche weltberühmt.
Erst danach kommt Mercedes Benz oder Porsche u.s.w.
Wegen unserem Ruf pathologische Saubermänner zu sein, fühlen wir uns manchmal etwas provinziell und an der Hintertupfing-Schamgrenze.

Leute, es gibt überhaupt keinen Grund dazu, wir sind weltläufig, absolut auf Weltstadtniveau. Wir übertreffen sogar Paris oder Marseille, zumindest was die Banlieue angeht, oder auch die New Yorker Bronx, Shanghai, egal, jede Stadt der Welt. Was uns mit der großen-weiten Welt besonders verbindet ist, dass es bei uns mindestens genauso dreckig ist wie in den Weltstädten, auf die wir manchmal unbegründet neidisch sind.

Das Foto nebenan zeigt eine Facette der Stuttgarter Kulturmeile bei der Staatsgalerie. Solche Idylle muss man selbst in der Bronx suchen, die sich mittlerweile sowieso fein rausgeputzt hat. Oben am Foto sieht man auch wie das Mosaik verottet. Gibt es beim Haus der Geschichte, oder nebenan in der Staatsgalerie keinen Hausherrn? Einen Hausmeister? Braucht man zum Reinigen ein Gutachten? Sind alle so hüftsteif und nicht im Stande um mit einem Netzchen den Trash abzufischen? Man stelle sich unser Restaurant mir einem solchen Entrée vor. Mamma Mia!

Soll ja keiner sagen ich sei ein Netzbeschmutzer. Das Nest Stuttgart kann man nicht beschmutzen, es ist schon schmutzig.

8. März 2017

Ich gucke schon lange nicht mehr hin.

Meine Tochter jedoch schaut immer wieder mal, wie unser Betrieb in "Tripadvisor" beurteilt wird. Wir können wirklich zufrieden sein.

Im Grunde sind solche Portale eine gute Sache und trotzdem will ich nichts davon wissen. Der Grund ist schnell erklärt: Genauso wie in Zeitungen anonyme Briefe verboten sind, sollte man das auch im Internet gebieten. Wenn jemand ehrliche Kritik übt, dann kann er auch mit seinem Namen unterzeichnen. All die pathologischen Klemmies, die sich hinter Phantasienamen verbergen, mag ich nicht, deshalb auch niemals "Facebook".

Es gibt noch einen weiteren Grund warum ich Tripadvisor nicht ernst nehme: Ich habe den Verdacht, dass sich einige Leute an Ihrem Sendungsbewusstsein aufgeilen und sich gerne veröffentlicht sehen, aber keine Verantwortung übernehmen möchten.

Also schreiben Sie auf Tripadvisor, es wird an mir vorrüberziehen. Sollte aber endlich mal ein Portal online gehen, das ohne verdruckste Pseudonyme auskommt, ich würde es mit aller Kraft unterstützen.



3. März 2017

Die "Welt der Frau",
eine Beilage der damals weitverbreiteten Zeitschrift "Gartenlaube", meldet in Nummer 5: „Das Abendkleid dieser Saison zeichnet sich durch luxuriöses Gepräge und phantastische Drapierungen aus, die auch der geschicktesten Schneiderin manch harte Nuss zu knacken geben.«

Man kann sich für die schönsten Kleider direkt Schnittmuster bestellen. Interessant sind die möglichen Hüftbreiten: 116,112,108, 104, 100 und 96. Dar­unter ist nichts denkbar. Erst Nummer 9 der Zeitschrift hat dann ein Erbarmen und kündigte groß an »Mode für schlanke Damen“!
Und es folgt mit großer Anteilnahme der schöne Satz: „Sie haben es nicht immer leicht, die schmäch­tigen, überschlanken Evastöchter, sich gut und der Mode entsprechend anzuziehen. Da heißt es zu Kompromissen zu greifen und das, was die Natur versagt, durch geschickte, fal­tige Arrangements zu kaschieren. „Was die Natur versagt? Schlankheit gilt 1913 noch als eine Art Schicksalsschlag.

Entnommen aus dem sehr empfehlenswerten Buch
"1913" von Florian Illies
Fischer-Verlag Frankfurt 2013
als Taschenbuch 10,99 Euro

2. März 2017

Man kann nur den Kopf schütteln.
In Überlingen werden momentan über 160 alte Platanen im Zuge der Landesartenschau abgeholzt. Einige Landschaftsgärtner lieferten gute Pläne aber einer hat den Auftrag bekommen. Ausgerechnet derjenige, der offensichtlich nicht in der Lage ist alte Bäume in sein Konzept zu integrieren. Unzählige Leute haben dagegen demonstriert, Martin Walser fast eine Träne vergossen, einen Wutanfall gekriegt und ein Gedicht komponiert. Man fuhr schweres Geschütz auf. Der Chef der Bürgerbewegung, der tapfere Dirk Diestel kämpfte wie ein Löwe, der Alt-Ministerpräsident Teufel warf sich auch in die Bresche.

Die Allee steht unter Denkmalschutz, aber der Baubürgermeister Michael Längin brachte dann den Knaller, dass man nämlich auch ein Kulturdenkmal abreißen kann. Da hat er recht, die Überlinger Umweltgefährder können das.

So haben alle Anstrengungen nichts genützt. Wirklich triftige Gründe fürs Baumabhacken sind nicht erkennbar. Wenn man also nur noch den Kopf schütteln kann, muss man einsehen, dass es stärkere Kräfte als die Vernunft gibt.
Eigentlich steckt hinter solchem Verhalten immer das Geld. Irgendjemand verdient viel Geld daran und derjenige hat gewisse Freunde Boot, so mein Verdacht.

Einer meiner Leitsätze lautet:
Alles muss sich rechnen. Und wenn sich Wahrheit nicht rechnet gibt es sie nicht.


1. März 2017

Sie wissen nicht wer Elliot Paul war.
Ich wusste es auch nicht, bis mir der Maro Verlag aus Augsburg ein Buch mit dem Titel „Das letzte mal in Paris“ ins Haus lieferte.
Gleich vorweg einen Salut aus diesen Verlag. Er hat einen amerikanischen Schriftsteller ausgegraben, der im Paris der 20er Jahre als Korrespondent für die Chicago Tribune schrieb. Zuvor hatte er schon drei Romane geschrieben, was ihm den Zugang zu Intellektuellenkreisen schweren Kalibers (Hemingway, James Joyce) öffnete und auch den Zutritt zum Salon von Gertrude Stein ermöglichte, dem Joyce wegen Neids von Madame nicht angehörte. Elliot Paul ließ sich dauerhaft in Paris nieder und bezog Quartier in der Rue de la Huchette, ganz in der Nähe des Place Saint Michel, an der mittleren Brücke die zur Ile de la Cité führt.

In dem schmalen Gässchen tobte das Leben des alten Paris, von dem wir heute noch träumen. Hilfsbereite Huren, Taugenichtse, versoffene Opas, seltsame Händler mit seltsamen Waren. Es gab alles was man für Leben brauchte nur keinen Luxus.
Das Buch ist eine unbeschönigte, witzig geschriebene Draufsicht auf ein Kleinbürgertum, dass sich im Winter kaum das Feuerholz leisten konnte und deshalb die Kneipen bevölkerte.  Wer sich für soziale Realität des damaligen Paris interessiert, für den ist dieses Buch ein Muss.

Nichts wird ausgelassen, auch die politischen Strömungen, die Nachwehen des ersten Weltkriegs, aber auch die Freuden und die Lust am Leben sind wirklichkeitsnah zu erleben. Es ist ein wichtiges Buch und hilft dem Verständnis, warum die Franzosen so ticken wie sie es eben tun. 1944 erschien das Buch erstmals auf Deutsch im Stockholmer Exilverlag Bermann-Fischer unter dem Titel „Die kleine Gasse“. Man hat die damalige Übersetzung nicht überarbeitet, was gewisse Leute bemängelten. Offensichtlich nicht wissend, dass die Deutsche Sprache nie besser repräsentiert war als in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Selbst die Übersetzung aus dem letzten Kriegsjahr 1944 ist ein Zeitdokument, an dem man nicht herumraspeln sollte, um es für Twitter-Kids lesbar hinzubiegen.
Nochmals Dank für diese Weitsicht an Benno Käsmayr und seinen Maro Verlag.

Das letzte Mal in Paris: Roman Gebundene Ausgabe 2016
von Elliot Paul (Autor), Ludovica Hainisch-Marchet (Übersetzer)
Maro Verlag Augsburg, ISBN 978-3-87512-477-4
EUR 20,00