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Signatur Vincent Klink Vincent Klink
Neben Rezepten werden philosophische Gedanken transportiert. Sparen Sie sich den Psychiater, kaufen Sie das Büchlein
Neben Rezepten werden philosophische Gedanken transportiert. Sparen Sie sich den Psychiater, kaufen Sie das Büchlein
"Meine Rezepte gegen Liebeskummer"
Jeder Mensch kennt Liebeskummer und oft bekämpfen wir ihn mit Frustessen. Nur fühlt man sich leider nach dem Verzehr von Eis in Literbechern in der Regel nicht besser - im Gegenteil!
Deshalb sollte man in Sachen Herzschmerz den Rat des Kochs einholen, der weiß, was in solchen Fällen schmeckt und der Seele guttut. Vierzig Jahre Gastwirt, einem Zoodirektor nicht unähnlich, da weiß man um die Gefühlswelt der Menschheit gut Bescheid. Zu den Rezepten werden viele Erlebnisse, Selbsterfahrungen und amüsante psychologische Hilfen angeboten. 

Anfragen für humorvolle Lesungen: Rowohlt Verlag Reinbeck
Frau Tessa Martin



*

Restaurant Wielandshöhe
- Vincent Klink -
Alte Weinsteige 71
70597 Stuttgart-Degerloch

*

Immer wieder die Frage: "Ist der Chef auch da?"
Antwort »
Ich werde ab Januar 2017 zweimal monatlich, jeweils am Donnerstag, im ARD-Mittagsbuffet kochen.
Darüber hinaus bin ich „Live“ im Restaurant, und zwar täglich, ohne Ausnahme.

August 2014

27. August 2014

Es geistern ja die seltsamsten Theorien durch die Medien, was man in einem Sternerestaurant zu erwarten hat. Gänseleber, Bluttaube, Enten, Lammrücken, alles möglichst mir 20 verschiedenen Gewürzkomponenten. Alles richtig und alles sehr gut, aber bei uns sind andere Produkte vorrangig. Beispielsweise Gemüsevorspeisen, oder aber die schwäbisch reine Lehre: Linsen und Spätzle.

Nun ja, ganz rein ist die Lehre auf dem Foto nicht, denn klassisch gehören Saitenwürstle dazu. Ich denke unsere, täglich frisch gemachte Wurst ist besser. Schweinefleisch, Pfeffer, Salz, etwas Muskatblüte und Fenchelsamen, das war's.  Für dieses Gericht ernteten wir ungeahnten Beifall. Wir machen weiter so wie immer, einfach das Gegenteil wie die Moden es vorschreiben.

27. August 2014

Siehe den vorletzten Eintrag, 25. August, ein dejavù. An dem Abend hatte ich folgendes Erlebnis: Zwei Personen kommen als Letzte ins Lokal. Jeder Tisch ist besetzt nur ihr Tisch in der Nähe der Fenster ist noch frei. Er regt sich auf und lässt nicht locker: "Ich will am Fenster sitzen.!" Das ging bestimmt zehn Minuten lang so. Herr und Madame total beleidigt und versteinertem Gesicht. Der Abend ist für diese Leute total im Eimer. Ich reagierte gelassen, es war zu infantil-trotzig. Ich antwortete: "soll ich die Leute, die da drüben am Fenster beim Hauptgang sind zum selbigen hinauswerfen"? Das Dreamteam hat dann schnell gegessen und verließ das Lokal.

Und heute nun das:
Höhengasthof - Wanderheim
Nägelehaus
Inh. Familie Harry Fischer
Raichberg 1
72461 Albstadt – Onstmettingen


Ein wunderschönes Gasthaus innen noch schöner als draußen auf der Terrasse

Dem Wirt muss ich gratulieren, wir brauchen mehr Gastgeber mit Rückgrat im Land. Gast und Wirt sollten sich auf gleicher Augenhöhe begegnen, dazu gehört natürlich dass beide Teile auch ein annähernd gleiches Niveau einnehmen. Manchmal ist es beim Wirt höher als beim Gast.

Ein guter Wirt sieht seine Arbeit nicht anders als ein Hobbykoch der seine Freunde einläd. Man möchte doch nicht, dass die Freunde kommen und das Esszimmer ins Freie tragen oder die ganze Bude umbauen oder herummaulen. Das ist eine Frage des gegenseitigen Respekts. Ich war auch schon beim Einkaufen und innen wurde gerade der Schlüssen exakt pünktlich umgedreht. Ich schwör’s ich hätte die Scheibe einschlagen wollen, habe es dann aber doch nicht getan.

Boris Palmer, das Bürgermeisterle von Tübingen, hier der Bericht der örtlichen Zeitung:

„sei in den Gastraum gekommen (»mit Sonnenbrille auf«) und habe bei der Bedienung den Wunsch geäußert, draußen bedient zu werden. Draußen wurde zu diesem Zeitpunkt aber nicht bewirtet, weil die Wirtsleute vermeiden wollten, dass sich weitere Gäste dazusetzen und die Terrasse damit wieder geöffnet sei. Die Bedienung habe Palmer höflich angeboten, im Innenraum etwas zu verzehren, was Palmer nicht akzeptieren wollte. Palmers Forderung und die Antwort der Wirtsleute seien etwa fünf Mal hin- und hergegangen. Die Situation eskalierte dann.

Palmer wollte »den Chef« sprechen und habe gefragt, ob man denn überhaupt wisse, wer er sei, um das Geheimnis alsbald für alle vernehmlich zu lüften. Als die Wirtsleute immer noch nicht spurten, habe er mehrmals gesagt: »Wenn das mein Vater wüsste.« Mehrmals sei auch der Begriff »Servicewüste Schwäbische Alb« gefallen. Auch habe Palmer angedroht, den Fall in Facebook zu veröffentlichen und »zehntausend Leser« zu erreichen, falls er draußen nichts kriege.

Daraufhin kam es wie berichtet zum Rauswurf. Der Wirt habe ihm gesagt: »Wissen Sie was, wenn Sie mir so kommen, bekommen Sie hier gar nichts und können gleich wieder gehen. Fertig.« Palmer sei dann gegangen. Übrigens sei die Terrasse nicht bestuhlt gewesen, wie Palmer behauptet, sondern die Stühle seien bereits übereinander gestapelt gewesen. Und von seinem Angebot, selbst wieder abzuräumen, haben die Leser des Reutlinger Generalanzeigers auch nichts gehört.

Vincent Klink meint abschließend und ganz nebenbei: das nenne ich sehr guten Journalismus, einfach über Tatsachen informieren und nicht herumschwurbeln, wie das in den Medien immer mehr sich auswächst.

Und dann noch, - ein Wirt lebt nicht vom Rauswurf seiner Gäste. Einmal im Jahr kommt das auch bei mir vor. Ein Wirt hat Gastrecht, kann bedienen wen er will und umgekehrt. Der Gast ist nicht König und der Wirt nicht der Knecht. Und wie man in den Wald hineinruft so schallt es wider heraus.


25. August 2014

Rest. De la Paquine
rte. de Moyaux 14590 Ouilly-du-Houley
Normandie


in diesem kleinen Restaurant einsam zwischen Pferdekoppeln und Viehweiden gelegen saßen wir und befanden uns inmitten einem wunderbaren Menü. Klassisch gekocht zeigten alle Gerichte eindeutigen, tiefen Geschmack. Während in Paris die herzhafte "Cuisine Française" immer weniger wird ist es auf dem Land noch genauso wie der Frankophile seine Träume ausmalt. Nicht angemeldet wurde uns ein –Tisch gleich an der Eingangstüre angeboten und wir befanden uns im Glück.

Unvermittelt wurde die Türe aufgerissen und ein in die Jahre gekommener Beau, in Bayern auch treffend Spinnweben-Stenz genannt, schnarrte die Serviererin an. Die gestandene Frau erstmal verdattert mit offenem Mund bekam keinen Ton raus. Dann zog sie die Schiebetüre zu Küche auf und rief: "Chefin der Gast hier beschwert sich, die Katze sitzt vor der Türe und die muss weg. Der Dobermann des Herrn hat Angst vor der Katze!" Die Chefin schrie zurück, dann soll der Hund halt draußen bleiben. Der Sugardaddy schluckte schwer und setzte sich zu uns in Nachbarschaft an den letzten freien Tisch. Ihm gegenüber ließ sich seine Begleitung nieder, eine schöne Asiatin der Spezies pubertäres Ecortgirl. Als Aperitif wurde dem ungleichen Paar Champagner serviert und als die Servierfrau wieder an den Tisch kam insistierte der alte Eintänzertyp, ob jetzt die Katze weg wäre und er seinen Hund endlich ins Warme holen könne. Die Bedienerin schob die Küchentüre erneut auf und wiederholte ihre Rede. Augenblicklich fauchte die Chefin aus der Küche, wischte sich an der Kittelschürze die Hände ab und giftete den Alten an. "Die Katze bleibt, die gehört hierher, nicht aber Sie. Unvermittelt zog das seltsame Pärchen beleidigt ab.

Als ich noch Koch lernte und die Berufsschule besuchte gab es auch Unterrichtsstunden, die nannten sich: "Umgang mit dem schwierigen Gast". Ich weiß nicht ob diese Psychologiestunden heute auch noch angeboten werden. In unseren Tagen würde ich den Lehrinhalt umbenennen: "Wie erhalte ich als Koch, Wirt und Servicepersonal meinen Spaß am Beruf?". Heute ist das wichtiger denn je, denn der Mangel an zwischenmenschlichem Instinkt nimmt in der Bevölkerung erschreckend ab. Seit die Werbung und sonstiger Schwindel jeden Idioten zum einmaligen Individuum adelt um diesen hintertrieben zu verdummen...u.s.w.

Als junger Kerl wollte ich mal mein klappriges Fahrrad verkaufen. Mein Vater meinte: "Jeden Tag steht ein Dummer auf, du musst ihn nur finden!" Diese Maxime könnte man als Untertitel beim Werbefernsehen ständig laufen lassen.

25. August 2014

Rest. De la Paquine
rte. de Moyaux 14590 Ouilly-du-Houley
Normandie


in diesem kleinen Restaurant einsam zwischen Pferdekoppeln und Viehweiden gelegen saßen wir und befanden uns inmitten einem wunderbaren Menü. Klassisch gekocht zeigten alle Gerichte eindeutigen, tiefen Geschmack. Während in Paris die herzhafte "Cuisine Française" immer weniger wird ist es auf dem Land noch genauso wie der Frankophile seine Träume ausmalt. Nicht angemeldet wurde uns ein –Tisch gleich an der Eingangstüre angeboten und wir befanden uns im Glück.

Unvermittelt wurde die Türe aufgerissen und ein in die Jahre gekommener Beau, in Bayern auch treffend Spinnweben-Stenz genannt, schnarrte die Serviererin an. Die gestandene Frau erstmal verdattert mit offenem Mund bekam keinen Ton raus. Dann zog sie die Schiebetüre zu Küche auf und rief: "Chefin der Gast hier beschwert sich, die Katze sitzt vor der Türe und die muss weg. Der Dobermann des Herrn hat Angst vor der Katze!" Die Chefin schrie zurück, dann soll der Hund halt draußen bleiben. Der Sugardaddy schluckte schwer und setzte sich zu uns in Nachbarschaft an den letzten freien Tisch. Ihm gegenüber ließ sich seine Begleitung nieder, eine schöne Asiatin der Spezies pubertäres Ecortgirl. Als Aperitif wurde dem ungleichen Paar Champagner serviert und als die Servierfrau wieder an den Tisch kam insistierte der alte Eintänzertyp, ob jetzt die Katze weg wäre und er seinen Hund endlich ins Warme holen könne. Die Bedienerin schob die Küchentüre erneut auf und wiederholte ihre Rede. Augenblicklich fauchte die Chefin aus der Küche, wischte sich an der Kittelschürze die Hände ab und giftete den Alten an. "Die Katze bleibt, die gehört hierher, nicht aber Sie. Unvermittelt zog das seltsame Pärchen beleidigt ab.

Als ich noch Koch lernte und die Berufsschule besuchte gab es auch Unterrichtsstunden, die nannten sich: "Umgang mit dem schwierigen Gast". Ich weiß nicht ob diese Psychologiestunden heute auch noch angeboten werden. In unseren Tagen würde ich den Lehrinhalt umbenennen: "Wie erhalte ich als Koch, Wirt und Servicepersonal meinen Spaß am Beruf?". Heute ist das wichtiger denn je, denn der Mangel an zwischenmenschlichem Instinkt nimmt in der Bevölkerung erschreckend ab. Seit die Werbung und sonstiger Schwindel jeden Idioten zum einmaligen Individuum adelt um diesen hintertrieben zu verdummen...u.s.w.

Als junger Kerl wollte ich mal mein klappriges Fahrrad verkaufen. Mein Vater meinte: "Jeden Tag steht ein Dummer auf, du musst ihn nur finden!" Diese Maxime könnte man als Untertitel beim Werbefernsehen ständig laufen lassen.

21. August 2014

Taiwan: Aus Nazis werden Weltmeister
 Ein italienisches Restaurant in Taiwan hatte einen ganz besonders verkaufsfördernden Einfall für die Speisekarte. Infolge des hohen Wurstanteils in der Pastasauce nannten sie ihre Kreation „Long Live Nazi“-Spaghetti. Schließlich waren die meisten Nazis Deutsche und die essen eben gerne Wurst. Sowohl deutsche als auch jüdische Repräsentanten fanden diese Systematik aber weniger einleuchtend und protestierten. Die 24-jährige Besitzerin des Ladens gab daraufhin zu, wenig über den Zweiten Weltkrieg zu wissen. Sie entschuldigte sich und versprach, den Namen des Gerichts so schnell wie möglich in „Weltmeister“ umzuwandeln.

20. August 2014

Kritik ist wichtig und insgesamt gesehen eine gute Sache. Der eine lobt uns, der andere nicht, im Schnitt hebt sich dann alles auf und wenn die Gäste nicht ausbleiben kann man als Koch zufrieden sein.

Einen Interviewauszug der Zeitschrift Stern über Wolfram Siebeck möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Geführt wurde das Gespräch von dem wunderbaren Christoph Wirtz, der über die Jahre erfreulicherweise beträchtlich an Gewicht zunahm, kurzum, "einer von uns":

Nun also Originalton Siebeck:"...Schauen Sie sich unsere Spitzenpolitiker an: Merkel, Gauck, Schäuble, eine einzige Puritaner-Parade..."

Oder auf die Frage nach einem Nachfolger? "Die einen schreiben pseudowissenschaftlich-humorlosen Schwachsinn von Gewürzräumen und Texturverläufen." Und die anderen schreiben wie Werbetexter...

Wie sagte einmal der großartige Dichter Eckard Henscheid: "Das walte Siebock!"

16. August 2014

Gluten, Laktose, Fruchtzwergeschock, Allergie?
Nichts da, nur Hunger!
Picky Eaters!

Mein Vater, ein stattlicher Mann von rustikaler Wesensart krachte immer lautstark,  als Tierarzt von seiner Praxistour zurückkommend in die Wohnung. Mein älter Bruder und ich lagen mal wieder bäuchlings über gepolsterten Hockern die Paps irgendwann mal einem Pfarrer abgekauft hatte.  So hingen wir mit baumelnden Köpfen. Vaters markante Stimme rüttelte Mama und uns gehörig durch: „was ist mit den Kerlen los? Sitzt mal wieder ein Fürzchen schief im Bauch?“

Meine Mutter zog sechs Kinder auf und alle Überlebten. Ärzte, Therapeuten und sonstige Heilkünstler waren unbekannt. Der Oberstadtveterinär ramenterte nicht nur als Tierarzt durch den Alltag, sondern versorgte auch gleich noch Bäuerinnen und Bauern mit kompetenten Diagnosen und zahlreicher Linderung. Er genoss einen ausgezeichneten Ruf und als wir so über den Hockern hingen begann er auch gleich noch eine Heilspredigt. Irene, so der Name meiner Mutter, das hast du gut gemacht. Die Faulgase wollen nach oben, also muss der Hintern in die Höhe und der Magen zu unterst." Die Rede war noch nicht zu Ende, denn mit "ihr blöden Kerle" fortfahrend verdächtigte er uns des Kirschenstehlens beim Nachbarn. "Obst ist gesund, aber nur weil es geklaut ist muss man es nicht übertreiben." Der Mann ließ damit von uns ab und drängte in die Küche, denn Hunger und Durst waren die konstanten Größen seines Alltags.

Solcherlei Erlebnis wäre heute undenkbar, denn die Supernanny eines Tierarzthaushaltes unserer Tage hätte ihre beiden Söhnchen bei schwellendem Klagegesang sofort in den Range Rover, oder Porsche Cayenne verfrachtet um mit Highspeed zum Notarzt zu fahren. Solche, seit Jahren zu beobachtende Hyper-Fürsorge lancierte bei den Erwachsengewordenen eine immer mehr grassierenden Hysterie. Die Rede ist von Laktose, Fructose, Gluten und Allergien im Dutzend. Das alles, äußerst lebensgefährlich, wuchs sich in allen Wohlstandsländern zum Wahn aus, der  in den letzten Jahren zu monströser Gesellschaftsfähigkeit gedieh. Wer keine Freunde findet weil er ungenießbar ist, der findet in Selbsthilfegruppen die nichts genießbar finden zustimmenden Anschluss. Ich bin krank und das macht mich sehr wichtig, denn der Krankenstatus bietet neben Malaisen auch ein hohes Maß an Zuwendung.  

Wohlgemerkt, in gut funktionierenden Demokratien hat man unter Vielem auch ein Recht auf Krankheit. Hat man gemerkt, dass Essen die Ursache von Hinfälligkeit sein könnte ist der Schreck gewaltig und man beginnt endlich mal in sich hineinzuhören. Dort, nach intensivem Lauschen werden manche nichts vorfinden. Halt, da war noch was, spüre der eine oder andere Nachwirkungen einer Darmgrippe? Sind die gestern verschlungen Hamburger immer noch am Darmrandalieren? Also, nichts wie hin zum Therapeuten.

Die Ratschläge der Homöopathen und sonstiger Detektive für Magengrummeln und Völlegefühl sind sich alle ähnlich. Der wissende Therapeut könnte lakonisch genauso wettern wie mein Vater der Tierarzt einmal zu einer Bäuerinder: "Hier hamse Glaubersalz, geh'nsen erstmal auf's Klo.

Liebe Todkranke, so etwas will man einfach nicht hören, denn man möchte ernst genommen und Bemitleidet sein. Tieftraurig will man in dieser kalten Welt, in dieser allgegenwärtigen Menschenfeindlichkeit, die ja ehrlich gesagt ein artgerechte Menschenleben kaum mehr zulässt...
Ja verdammt man braucht ein bisschen Liebe, Fürsorge,  Betreuung und die Navigation eines Gutmenschen. Kurzum Heiler müssen ran, auch wenn viele erst mit einem Schnellkurs auf Kurs gebracht wurden.

Zum Geschäftsmodell eines Heilpraktikers gehören keinesfalls die donnernden Leitsätze eines Oberstadtveterinärrats nach der "Marschmusik": "Madame, nein, ihnen kann kein Allgemeinmediziner helfen, sie müssen zum Facharzt, zum Irrenarzt!" Ganz anders der sensible Therapeut, heutzutage senkt dieser seine Stimme zu einem nachdrücklichen Aschram-Flüstern und haucht eine unendliche Reihe von Verboten. "Lassen Sie den Zucker weg, um Gotteswillen keine Milchprodukte mehr, keine blähende Gemüse." Er fährt fort und seine Stimme wird noch drängender und gipfelt allsbald ins Dramatische: "und dann essen Sie  auf - keinen - Fall - niemals - mehr - Weißbrot." Bitte folgen Sie meinem Rat und ihr Lebensglück wird durch Beschwerdefreiheit erhöht werden!"

Verbote sind geil, allgegenwärtig und ein willkommenes Signal, dass es  jemand mit uns ernst meint, jedenfalls so lange bis das Honorar gezahlt ist. Und womöglich ist man endlich in der "besseren Gesellschaft" angekommen in der es schick ist Probleme zu haben welche Unterschichten sich gar nicht leisten können.

Allerdings: eingebettet in die Welt der sensiblen "Picky Eaters" nützt es natürlich gar nicht, wenn man seine Religion für sich behält und sich sein Eigenheim zum Therapiecenter ausbaut. Nein, von den im Kopf zerrenden Therapieerfolgen und Placeboerkenntnissen muss die Welt erfahren. Und so werden sackweise die Empfindlichkeiten von gewissen Leuten in Internetblogs gesetzt, aber auch ab und an auf das Servicepersonal von Restaurants abgeladen. Wer als Koch seitenlange Allergielisten durchgehechelt hat und innerhalb von fünf Minuten zu kapieren hat, dass das Speisenangebot auf seiner Menükarte für einige Patienten im Speisesaal fast nichts Genießbares enthält, der muss sich lauthals zurufen, Gottseidank sind nicht Alle so!"  Erfreulicherweise lesen die meisten Gäste am Eingang das Signet "Vincent Klink und nicht  − Vincent Klinik!"

10. August 2014

Links oben die Lammrücken, dann das Schwäbische Bioschwein. Rechts unten in Gaze, die Ochsenrücken die mindestens drei Wochen lagern.
Rechts oben mit dem deutlichen Fettrand: So sollte ein Schweinekotelett aussehen, will man gewiss sein, dass das Tier keine Elendsgestalt war sondern natürlich aufwuchs und nicht schnell hochgezüchtet wurde. Jedoch auch bei bester Qualität sollte das Fleisch wenigstens zwei Wochen gelagert werden. Nur und so gut und schlecht, Zuhause im Kühlschrank reift das Fleisch nicht sondern erstickt und wird schmierig.

Dazu braucht es eine eigenen Fleischreiferaum wie den unseren, den sie ihm Bild sehen. Mein Vorschlag wäre, Kaufen sie bei Ihrem Metzger einen Kotelettstrang. Lassen Sie in wiegen und bezahlen Sie. Danach bitten Sie Ihren Metzger das Stück vierzehn Tage in sein Kühlhaus zu hängen.

Er wird sich mit Händen und Füßen wehren, weil die Schnittstellen einschrumpeln werden, dann kommt das Gejammere, dass der Wirtschaftskontrolldienst das Fleisch mit den angetrockneten Schnittstellen beanstanden könnte.

Ausreden gibt es jede Menge. Wechseln Sie so lange den Metzger, bis dieser mit Ihrem Ansinnen einverstanden ist. Genau dieser Metzger wird auch gute Ware haben. Sie liebe Leserin, und auch der Leser darf sich nicht wundern wenn das Kotelettstück nach 14 Tagen ein Pfund weniger wiegt. Dann muss noch die Abschnitte wegrechnen, da man das angetrocknete Fleisch allenfalls für eine Brühe verwenden kann. Insgesamt ist das Fleisch dann ganz von selbst ca. 20% teurer geworden. Warum soll es Ihnen anders gehen als uns.

3. August 2014

Kannitverstan

Seit Köchen sich ihre Speisekarte ergooglen ist die Arbeitswelt am Herd nicht einfacher geworden. Als junger Koch musste ich mir das ganze französische Fachvokabular draufschaffen, was heute an Berufsschulen immer noch zum Lehrplan gehört. Die Welt war in Ordnung und der ersthafte  Gourmet erlernte Begriffe wie Gigot Agneau, oder Navarin, beides Gerichte vom Lamm, Keule und Ragout. Koch wie Genießer erfreuten sich über die Küchenfachsprache die selbstverständlich auch ein Vehikel der Abgrenzung bedeutet. Banausen konnten nicht mitreden. Seit aber Koch wie Gourmets googeln ist die berufliche einbunkerung ebenso prekär wie bei den Mediziner. Letztere werden von googleaffinen Rentner in entlegenstem Medical-Sprech zugetextet, korrigiert und in Blogs von anonymen Rumpelstilzchen gedemütigt.

Sonntags lese ich, Sie werden es erraten nicht die Frankfurter Zeitung, sondern die Frankfurter Sonntagszeitung. Das gedruckte Wort in Zeitungen ist mittlerweile häufig so weichgespült, dass jeder Sonntag mit Wohlfühllaune beginnt.

Doch neulich, potz Blitz, geriet ich in beträchtliche Unruhe. Das kam so: In der Zeitung gibt es eine Ess- und Verdauungsseite auf der allerlei Spezialisten zum feinschmeckerischen Zeitgeist sich in Erhellungstexten versuchen. Irgend ein Berufsesser hatte auf seiner Speisekarte ein hervorragendes Gericht annonciert. Mit Freuden, ja geradezu hüpfender Euphorie zitiert ein Kritiker. Jedenfalls ließ er sich folgendes Gericht auf der Zunge zergehen: "Secretum vom Bigorreschwein bla, blah u.s.w..

Aus war es mit der Sonntagsruhe, der Computer wurde angeworfen und das Wörtchen Secretum eingegeben. Irgendwie vermutete ich den Sinn des Wortes in der Nähe des Arsches, beziehungsweise diesem gegenüberliegend.

Dies weil mir das Wort Scrotum geläufig ist und ich irgendwelche verwandtschaftlichen Verbindungen in dieses Körperzone vermutete.

3. August 2014

Immer wieder schnappe ich mal einen guten Spruch auf:

Sei nicht klüger als Dein Gast, er könnte sich einen dümmeren Wirt suchen.

Schiele nicht auf die Konkurrenz, Du könntest genauso schlecht werden.

Und bei Cioran las ich:
Die Ehe ist Freiheitsberaubung in beiderseitigem Einvernehmen.
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