Tisch online reservieren
»

Tischreservierung auch per Telefon
Telefonnummer

Reservierungen ab 7 Personen bitte nur telefonisch


Ihr Menü:

Sonntag und Montag Ruhetag

Küchenzeiten:
12.00 - 13.30 Uhr
18.00 - 20.30 Uhr

Signatur Vincent Klink Vincent Klink

Das "Internet-Tagebuch" aus den Jahren vor 2017 ist nun als tatsächliches Buch erschienen:

VINCENT KLINK
"Angerichtet, herzhaft und scharf."

Aus meinem Tage- und Rezeptbuch.

Aus vielen Jahren sind die besten Gedanken, des Lebens und der Küche, in diesem Buch festgehalten.

Verlag Klöpfer & Meyer, Tübingen, erhältlich in jeder Buchhandlung.
ISBN 978-3-86351-471-6




Neben Rezepten werden philosophische Gedanken transportiert. Sparen Sie sich den Psychiater, kaufen Sie das Büchlein
Neben Rezepten werden philosophische Gedanken transportiert. Sparen Sie sich den Psychiater, kaufen Sie das Büchlein
"Meine Rezepte gegen Liebeskummer"
Jeder Mensch kennt Liebeskummer und oft bekämpfen wir ihn mit Frustessen. Nur fühlt man sich leider nach dem Verzehr von Eis in Literbechern in der Regel nicht besser - im Gegenteil!
Deshalb sollte man in Sachen Herzschmerz den Rat des Kochs einholen, der weiß, was in solchen Fällen schmeckt und der Seele guttut. Vierzig Jahre Gastwirt, einem Zoodirektor nicht unähnlich, da weiß man um die Gefühlswelt der Menschheit gut Bescheid. Zu den Rezepten werden viele Erlebnisse, Selbsterfahrungen und amüsante psychologische Hilfen angeboten. 

Anfragen für humorvolle Lesungen: Rowohlt Verlag Reinbeck
Frau Tessa Martin



*

Restaurant Wielandshöhe
- Vincent Klink -
Alte Weinsteige 71
70597 Stuttgart-Degerloch

*

Immer wieder die Frage: "Ist der Chef auch da?"
Antwort »
Ich werde ab Januar 2017 zweimal monatlich, jeweils am Donnerstag, im ARD-Mittagsbuffet kochen.
Darüber hinaus bin ich „Live“ im Restaurant, und zwar täglich, ohne Ausnahme.

August 2013

30. August 2013

KABARETT SAUVIGNON
Thomas C. Breuer
Lindemanns Bibliothek
ISBN 978-3-88190-735-4

Mein Name steht auf der Widmungsseite, wenn einem dies wiederfährt darf man nicht loben, will man sich nicht mit dem Tatbestand der Vetternwirtschaft bekleckern. In diesem Fall muss ich trotzem loben, denn das Buch ist unglaublich gedankenscharf geschreiben und obendrei froh und locker zu lesen. Der Klappentext hält folgendes parat:


Dem Thema Wein lassen sich immer wieder neue Facetten abgewinnen. In diesem Werk erlebt der Leser eine Fahrt ins Blaue zwischen Vollernter und Leergut, zwischen Schöngeist und Flaschengeist, kurz: Alles über www -Weinherrlichkeit, Weinehrlichkeit und Weinerlichkeit. Den Schwerpunkt setzt der Autor bei den Weinanbaugebieten von Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und der Schweiz, aber selbstverständlich unternimmt er Streifzüge in benachbarte alkoholische Regionen. Nebenbei leuchtet er das Verhältnis zwischen Alkohol, Politik und Kirche neu aus und geißelt die Globalisierung. Gedankenbeschwipst amüsiert, genießt der Besucher ein Buch zum Wohlsein - spritzig und trocken zugleich.


So urteilt die Presse:

Unter dem Motto „Alles muss Rausch — Kabarett Sauvignon" ein
 Schlückchen vom großen Thema Wein, ein Blick tief ins Glas der
uralten Verbindung von Politik und Alkohol. Ein intelligentes, tief
sinniges Wort-Feuerwerk, oft herrlich boshaft, erleuchtete die Köpfe
der Zuhörer — schwerelos, wie improvisiert.  
Südkurier


Prickelnd seine historischen Exkursionen zum Thema Weinkonsum
und der aktuellen Frage, wie es dazu kommen kann, dass von einer
bekannten französischen Weinlage in China mehr vertrunken als
produziert wird.   
Trieriseher Volksfreund

24. August 2013

Obwohl sehr simpel, ist dies ein nicht leicht nachzukochendes Gericht. Für drei Wochen könne wir es hoffentlich noch anbieten. Der Nudelteig ist nur mit Eigelb und Semola bereitet, eigentlich kein Problem. Die Tomaten vom Gärtner Peter Berg aus Binzen bei Lörrach sind jedoch so außergewöhnlich, dass man wirklich von einem Geschenk der Natur und einem Triumph des Gärtnerberufs sprechen kann. Gelbe und rote Fleischtomaten werden geschichtet, dazwischen befindet sich frisches Tomatenmus mit frisch gehacktem Kreta-Oregano, aus meinem eigenen Garten. Etwas Basilikum mit Olivenöl aus Agrigent und das "Weltwunder" duftet durch den Saal.

Deshalb rede ich nicht übrigens nicht gerne von Vegetarismus, der mir zu oft als Schubladen-Weltanschauung daher kommt. Im Moment habe ich nämlich erst registriert, das kein Schinken oder sonstig tierisches am Start ist. Man vermisst dies auch nicht. Auch muss man darüber nicht reden, denn wahre Gourmandise ist abwechslungsreich und kommt ohne täglich Fleisch sowieso aus.
So,und jetzt wollen Sie wissen was diese Vorspeise koset. Exakt 18,00 Euro, und so mancher wird jetzt aufstöhnen. Ich will es jetzt mal so erklären.
Der Break Even Point der Wielandshöhe liegt bei ca. 130.000 Euro. Soviel muss in einem Monat in die Kasse kommen und ich habe dann noch nichts verdient. Ziehe ich 30% Ware ab,  haben wir den Betrag von 94.000 Euro. Mit anderen Worten, das muss alles für Löhne, Miete, Abgaben, Energie ausgegeben werden, der Blumenschmuck beläuft sich bei 22 Tischen auf 4.000 € u.s.w. . Tja, und dann kommen noch die Steuern und Rücklagen für einen Neuen Ofen, Kühlschrank etc. dazu. Dies alles ist auch der Grund warum es so wenig professionelle Neugründungen gibt, sondern nur unzählige Kneipen, die, weil alles so billig sein muss, ihre Mitarbeiter oft schwarz bezahlen oder sich sonstwie durchschummeln müssen.

23. August 2013

Ein wahrlich schöner Mann, nicht nur wegen seiner Texte berühmt sondern seine Stegreifreden füllten große Säle.
„40 Jahre ehelicher Gemeinschaft konnten sie nicht so eng aneinander binden wie die einträchtige Teilung dieser Mahlzeit. Sie waren zwei Gesichter und ein Bauch.“ (Anton Kuh)

 12. Juli 1890 in Wien geboren,  † 18. Januar 1941 in New York.
Unter seinem eigenen Namen Anton Kuh und seinem Pseudonym Yorick veröffentlichte Anton Kuh u. a. Satiren und zahlreiche kurze Prosastücke, in denen er sich im Sinne von Pazifismus und Demokratie kritisch, witzig und hellsichtig mit seiner Zeit auseinandersetzte. 1938 musste er emigrieren, nicht nur weil er jüdischer Herkunft war sondern auch die Nazis immerfort bissig attakierte.

Anton Kuh hielt im Jahr 1940 seinen ersten Vortrag in New York: Die Kunst, Hitler zu überleben.
Am 18. Januar verstarb er 1941 aufgrund einer Herzattacke.

21. August 2013

Da wir immer wieder ein ganzes Kalb schlachten kommen sehr viele unterschiedliche Kalbsgerichte auf die Karte, Rücken, Ragout, Kalbssamtsuppe, Bries, Leber Nieren u.s.w..

Es ist nicht ganz in Ordnung wenn wir das abgebildete Gericht Züricher Geschnetzeltes nennen. Egal wo ich das Gericht in der Schweiz bestellt habe, es befand sich auf dem Tellerboden immer ein relativ dünner Saucensee und die Fleischblättchen trockneten quasi im Freien.

Meine Lehre fand ja an der Schweizer Grenze statt und ich liebe die Schweiz und die Schweizer sowieso, und dass es in der Schweiz unglaublich gute Köche gab und gibt, das sei hier auch mal deutlich gesagt. Hervoragendes Züricher Geschnetzeltes, das gibt es in Zürich, aber man muss es finden. Mein Lieblingslokal nennt sich übrigens "Alpenrose".

20. August 2013


ERNÄHRUNGSSTALINISMUS

Für besonders religiös halte ich mich nicht, im Gegenteil, aber der freitägliche Fasttag ist wie Vieles im Christentum eine gute Kulturleistung. Wozu braucht man dann noch einen Veggieday? Für totale Heiden?
Kürzlich war Veggietag und auf mich wirkte er so verkrampft, fast wie ein Aufschrei der Verzweiflung, nicht unähnlich dem Eintopfsonntag der das tausendjährige Reich zum Endsieg befeuern sollte. Heute haben wir dagegen einen Rechtsstaat, lästigerweise einen überfürsorglichen Rechtsstaat der sich immer mehr zur Erziehungsanstalt auswächst. An der Schraube drehen auch die Grünen mit Begeisterung.

Der Veggieday, ein grüner Profilierungs-Day ist ja so ganz falsch nicht. Dass man nicht dauernd Fleisch essen soll dürfte aber inzwischen Allgemeingut  sein und diejenigen die das nicht begreifen, die Mehrheit, denen ist sowieso nicht zu helfen. Also haut man auf die Pauke für Leute die sich ohnehin schon einig sind.

Wie schrieb jemand in der Frankfurter Zeitung?  Bei einigen grünen Politikern scheint quietschgrüner Brokkoli unter der Hirnhaut zu wachsen.“ Ich füge hinzu, dass es schön wäre, wenn der wabernde Brokkoli auf’s Sprachzentrum dieser Politiker übergriffe. Wir bräuchten nämlich dringend einen „Silent Day“, an dem ein Politiker einfach mal das Maul hält. Ja, das wäre schön und für alle erholsam.

Doch stattdessen wird um ein staatliches Vegetariat gelärmt, das sich immer mehr ausbreitet. Was für Unglück Missionierung in den letzten Jahrhunderten angerichtet hat sollte eigentlich genügen.  Aber nein, aus der Veggieszene kennen wir beispielsweise den Rohköstler, eine ziemlich hartnäckige Glaubensrichtung mit missionierungsdrang, die bereits nach dem ersten Weltkrieg ihre Anhänger sich besser fühlen ließ. Keine Frage, dass Adolf Hitler auf so etwas ansprang wie Hector auf die Buletten.

Rohköstler, ein sehr treffendes Wort, aber für manchen der Beteiligten fast zu heftig und ganz und gar nicht hip, weshalb nun das mediensprech-weichgespülte Unwort „Raw-Foodler“ an den Start geht. Also auf nach Berlin dort kann der Raw-Foodler mit „Raw-Living“ richtig heimisch werden und per Facebook mit  „elevate to health“ wichtige Schritte in Richtung Erleuchtung setzen.

Lieber Leser, wenn Sie das alles schier nicht kapieren und in die Philosophie gewisser Ernährungstalibans kaum eindringen können, so empfiehlt es sich einen „Spiritual Life Food Instructor“ buchen.  In Berlin wird in der „Rawfoodlerszene solcher Service angeboten. Ich bleibe allerdings hier in meiner Küche und bin glücklich ein schwäbischer Provinzler zu sein.

20. August 2013

NEUES VON MEINEM FREUND

Anmutiges Lachen
Wiglaf Droste erhält Nieheimer Schuhu 2013 / Der Peter-Hille-Literaturpreis wird am 13. September überreicht / Laudator ist der vorherige Preisträger Fritz Eckenga.
 
Der Autor und Sänger Wiglaf Droste ist der diesjährige Preisträger des „Nieheimer Schuhu. Peter-Hille-Literaturpreis“. Das gab die Peter-Hille-Gesellschaft bekannt. Wie die Jury herausstellt, zeichnet den 1961 in Herford geborenen Autor „eine höchst produktive Aversion gegen hohles Pathos, angemaßte Wichtigkeit und manierierte Rhetorik aus, die er provokativ-polemisch in seinen satirischen Essays, Gedichten und Songs geißelt.“ In der Begründung heißt es weiter, seine Polemik richte sich nicht vorrangig gegen Personen, bestimmte Parteien oder Institutionen, sondern allgemein gegen die empörende Diskrepanz von geschöntem Gerede und tatsächlichem Verhalten, die Extrovertiertheit der Medien und den Sprachverfall unserer Zeit. „Was ihn antreibt, ist die Restitution einer authentischen Wahrhaftigkeit“, so die Jury.
 
Der durch Bücher, Zeitungs- und Radiokolumnen sowie zahlreiche CDs bundesweit bekannte Droste ist ein hellwacher, polemischer Satiriker, der sein nietzscheanisch anmutendes Lachen ausgießt über eine Zeit, in der Medienpräsenz und beruflicher Aufstieg am schnellsten über die Adaption einer normierten Rhetorik und geistigen Stromlinienförmigkeit zu erreichen sind.
 

Droste hält dieser überhitzten, überdrehten, durchökonomisierten und eitlen Zeit seinen satirischen Spiegel vor, in der besten Tradition des satirischen Metiers, was ihm in der ‚Süddeutschen Zeitung’ die ehrenvolle Titulierung als „Tucholsky unserer Tage“ eintrug. „Er legt sich an, erntet mitunter empörten Widerspruch, doch davon unbeirrt kämpft er im Gegenzug für den verantwortungsvollen Umgang mit Sprache und für das Recht auf eine Individualität, die sich bürgerlichen Schemata und ideologischen Vereinnahmungen und Zumutungen widersetzt“, erklärte die Peter-Hille-Gesellschaft. Hierin sei er dem Ahnherrn des Preises, Peter Hille, ganz ähnlich, der einmal schrieb: „Der freie Geist ist sich eigene Norm.“
 
Zudem verbinde Droste mit Hille die Vorliebe für literarische Kurzformen, für Kurzgeschichte, Gedichte und Songs. „In seinen Texten erweist er sich als echter Sprachartist, der die tiefe und sensible Verbindung von Sprache und feinster emotionaler Regung meisterhaft ins Wort zu setzen versteht, kunstvoll sprachlich pointiert und stilistisch treffsicher formuliert. Seine Texte zeugen von hoher Musikalität und Rhythmik, auffällige Stilmerkmale sind Lautmalerei, Neologismen und Entlehnungen aus dem ostwestfälischen Idiom, das ihm nach eigenem Bekunden ‚Heimat’ ist: ‚Eine Sprache, in der Dölmer, Hachos und Tünsel durcheinander ramentern, wullacken und kalbern, ist Heimat genug.’“
 
Wiglaf Droste wurde 2003 mit dem Ben-Witter-Preis und 2005 mit dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis ausgezeichnet; 2009 war er Stadtschreiber zu Rheinsberg. Er lebt in erster Linie unterwegs und schreibt für das ‚Folio’, das Monatsmagazin der ‚Neuen Zürcher Zeitung’, die Kolumne „Nomade im Speck“. Für die überregionale Tageszeitung ‚junge Welt’ schreibt er eine tägliche Kolumne.
 
Soeben erschien Drostes Essaysammlung „Die Würde des Menschen ist ein Konjunktiv“, Edition Tiamat, 240 S., 14 €, Berlin 2013
 
Weitere Informationen unter: www.tomprodukt.de

19. August 2013

Die vielen Emails kann ich aus Zeitgründen nicht beantworten aber bemerkenswerte geistige Anstrengungen will ich niemand vorenthalten. 

Hallo Herr Klink,
im Heft "Schrot und Korn" machen Sie die Aussage: "Wir müssen bewusster essen".
Ich stimme Ihnen absolut zu, allerdings dienen Sie nicht besonders gut als Vorbild, weswegen Ihr Artikel nur bedingt glaubwürdig wirkt. Der Grund ist Ihr Übergewicht. An Ihrer Ernährung stimmt irgend etwas nicht, sonst wären Sie schlank.
Ich wünsche Ihnen Gesundheit, ein langes Leben und weiterhin gutes Gelingen beim Kochen.
 
Gruß,
 RT



ANTWORT VON VINCENT KLINK
Liebe (r) RT,

meine Berufsauffassung beinhaltet, dass ich bewusster einkaufe als viele Biobürger. Das Eingekaufte wird dann auch sehr bewusst gekocht, das können auch meine Köchinnen und Köche beschwören. Ja, und dann wird sehr bewusst gegessen. Da unser Essen uns richtig gut schmeckt und ich immer zuviel davon probiere und auch gerne ein Bier dazu trinke, ist jedoch nicht Ihr  Bier. 

Seit meiner Schulzeit ist mir bewusst, dass man dem deutschen Oberlehrer nicht entkommen kann. Aber was soll's, durch meine bewusste Ernährung bin ich erschreckend gesund. Ob Cholestrin, Blutwerte oder Blutdruck, den einzig bewusstseinsirritierenden Moment erlebe bei meinem Arzt, der regelmäßig zu heulen anfängt weil er mit mir keinen Cent verdienen kann und sich allein mit Krebsvorsorge begnügen muss. 

Liebe (r) RT, pflegen Sie in Zukunft Ihr Bewusstsein und behalten Sie Ihre, sicher hart errungenen Erkenntnisse, für sich. Passen sie gut auf sich auf: Statistisch sterben Schlanke früher, dies trotz der Gutachten der milliardenschwer und demagogischen Schlankheitsindustrie. 

Herzliche Grüß von Ihrem Dicken

17. August 2013

Mit freundlicher Genehmigung des Tagespiegel Berlin:

MECKERGÄSTE IM NETZ
von Elena Senft
Wenn wirkliche Menschen im Internet zu Usern werden, geht es charakterlich sofort steil bergab.

Die Anonymität des Internets lässt schüchterne Bürohengste zu Reich-Ranickis und Experten in allem werden, und die große Anzahl an Bewertungsportalen suggeriert ebenjenen Leuten, dass ihre Meinung auch unbedingt gebraucht wird. Aus eigener Erfahrung kann es schnell passieren, dass aus harmlosen fröhlichen Sachbüchern „üble Machwerke“ werden oder Schlimmeres.

Der Restaurantbesuch ist der Klassiker des Bewertungsdrangs, denn der anonyme Wutbürger (nein, „GourmetKlaus“ ist kein Name) kommt hier in Sachen Beschwerdekategorienvielfalt voll auf seine Kosten. Und auch die Motivation.
In erster Linie erschrecken die Freaks, die scheinbar schon mit beeindruckendem Vorsatz nach dem Haar in der Suppe suchen:
– „Während wir warteten ist uns aufgefallen, dass es in dem Laden lauter als in der Mensa der TU Berlin ist.
Zufällig hatte ich ein Gerät dabei, um die Lautstärke zu messen und ermittelte einen Schalldruckpegel von ungefähr 95 dB.“
– „Eine bestellte Flasche Rotwein kam gestoppte 14 Minuten nach dem Servieren des Essens.“
– „Sitzfläche und Tischhöhe passen nicht zueinander. Unter den Auslässen der Klimaanlage zieht’s genau ins Genick.“
– „Das WC war etwas zu dunkel und ich könnte schwören, dass nicht alle Lichter funktionierten.“
– „Beim Zurückgeben meiner EC-Karte wurde ich mit Namen angesprochen. Das einzige Mal an diesem Abend. Da dieser ja bei der Reservierung auch schon bekannt war, könnte man da sicherlich noch etwas proaktiver sein.“

Kritik ausgesetzt ist auch das Personal:
– „Jede Bestellung wird von einer neuen ungelernten Bedienung ohne Persönlichkeit gebracht.“
– „Ein grau-melierter, arrogant-genervt wirkender Herr um die 40 brachte uns zum Tisch. (...) Ich entschied mich, mich zwecks Speisenauswahl neben meine hübsche Verlobte auf die Bank zu drücken. (...) Leider können wir zur Qualität des Essens keine Angaben machen, da uns der graumelierte Mittvierziger wieder aufsuchte und mir sagte, dass ihm die Art, wie ich neben meiner Verlobten sitze, nicht gefalle und ich doch bitte so am Tisch sitzen solle, wie es vorgesehen ist.“
– „Kaum asiatisches Personal, die anderen machten meist den Eindruck studentischer Aushilfskräfte.“
– „Und warum arbeitet hier jetzt bitte ein vollbärtiger Hippie?“
– „Der ältere Herr am Empfang ist das Uncoolste, was ich je erlebt hab.“
Da der anonyme Bewerter sich prinzipiell in allem auskennt, ist Besserwissertum sehr beliebt:
– „Paletten als Sitzplätze? Ich bitte euch!!“
– „Der sollte mal ins Elsass fahren und nachsehen wie eine Weinabfolge funktioniert. Kopfschüttel.“
– „Wir haben dry aged medium to rare bestellt, der Garpunkt war aber leider eher medium to well.“
– „Genau so ärgerte ich mich, dass die anderen Gäste diesen Fraß auch noch lobten. Aber Berliner finden ohnedies alles lecker wo viel Fett und Salz vorkommt.“
– „Noch nie habe ich – wie hier – Stäbchen aus Metall gesehen. Total behindert. Unpassend!“
Die groteske rhetorische Nachbereitung eines simplen Restaurantbesuchs, der sich oft so anhört, als seien die Schreiber im Dschungelcamp gewesen, sind so unterhaltsam, dass man am Ende überlegt, doch lieber Essen zu bestellen und vor dem Computer zu bleiben. Aber diese „angewidert auf zahlende Gäste guckende Kellnerin“ würde man dann doch gerne persönlich kennenlernen.


Ich möchte noch etwas hinzufügen: Wenn man am Tag fast hundert Gäste hat, kann man nicht erwarten dass alle nett sind. In jedem Falle verhalte ich mich korrekt. Ich grüße und wünsche guten Appetit. Das war's dann. Es sei denn die Gäste sprechen mich an. Mir ist es durch klassische Schulung nicht gestattet die Gäste ungefragt zu belabern. So kommt es, dass sich an manchen Tischen ein regsames Gespräch entwickelt. Die Gäste aber die sich nicht getrauten mich anzuspechen, fühlen sich dann manchmal zurückgesetzt. Auch kommt es vor, dass mir Gäste von vorne herein so unsympaisch sind, das ich nach meinem Gruß schleunigst Reißaus nehme. Seltsamerweise sind das fast immer Leute mit Internet-Veröffentlichungszwang. Mittlerweile herrscht in den Bewertungsportalen ein solches Chaos von fundiertem Wissen, begründeten Argumenten, abstrußen Geschmacksauffassungen bis hin zum totalen Schwachsinn oder blindem Hass. Kürzlich reklamierte beispielsweise ein Verirrter unseren Paravent von Eileen Gray der annähernd viertausend Euro kostet, als "Spanische Wand". Kurzum, je mehr Blödsinn und und Durcheinander, mir kann's nur recht sein. Leid tut mir aber die seriöse Restaurantkritik, die im Sumpf halbhirniger Rezensionen unterzugehen droht. 

10. August 2013

Danke für diese E-Mail Antwort, die ich niemanden vorenthalten möchte. Sie bezieht sich auf meinen Tagebucheintrag vom 7. August 2013

Lieber Vincent Klink,

Ihrem Kommentar zur Psycho-Medikamentierung kann ich nur zustimmen.

Aber: Damit die Aufback-Industrie aus immer weniger Mehl ihre Wattebrötchen produzieren kann, die gerade noch so zusammen halten, musste sie in den letzten zwanzig Jahren immer mehr Klebereiweiss in den Weizen (gen-) manipulieren. Soviel Gluten hätte vor fünfzig Jahren den stärksten Mann aus den Latschen gehauen. Und mit so wenig Mehl hätte man damals allenfalls eine Praline backen können, aber sicher nicht die heutigen Luft-Schrippen der Discountbäcker und Co.

Grüße

Fabian Hüther

7. August 2013

Wenn alle Fishermen so erfolglos wären wie Vincent mit seiner Fliegenrute, dann müsste man sich keine Gedanken um Ausrottung machen.
Kein Arzt, Heilpraktiker, Coach oder Wunderheiler entläßt einen Patienten aus der Praxis ohne ihm ein verbales Placebo in den Kopf zu stecken. Ist man etwas überarbeitet und leidet vielleicht unter der Hitze wird "Burnout" gerne genommen, kommt einer zum Heilpraktiker wird garantiert als Seelenpflaster eine Allergie angeboten. Am besten eine, die sich nicht beweisen lässt wie beispielweise Hautausschlag. Ganz klar der Kunde braucht Trost und wird deshalb mit einer oft wirkungslosen aber auch nicht schädlichen Diagnose entlassen als da wäre: "Verzichten Sie auf Milchprodukte, sie haben wahrscheinlich eine Laktoseintoleranz". Lautet die Antwort des Patienten darauf, "aber ein anderer Therapeut hat mich seit Jahren dagegen behandelt und ich bin immer noch unglücklich und habe einen nervösen Magen und einen noch nervöseren, ja geradezu unerträglichen Chef". Also gut dann nicht Laktoseintoleranz, dann muss eine Unverträglich gegenüber Gluten her. Vor zwanzig Jahren wusste keine Sau was das überhaupt ist und die Leute waren im Schnitt gesünder. Ich könnte meine Psycho-Medikamentierung unendlich fortsetzen. Egal was Quaksalber empfehlen, fast immer kommt noch der Rat zwischen Türe und Angel, trinken Sie viel, mindestens drei Liter am Tag und führen sie ihr Trinkfläschchen gegen Unterversorgung stets bei sich. Damit folgt oft noch die schlagwetterde Aufforderung: "Essen sie mehr Fisch". Dass die Wildfische alsbald ausgerottet sein werden, dies Problem überlassen wir unseren Kindern.
« vorherige Seite [ 1 2 ] nächste Seite »