Tisch online reservieren
»

Tischreservierung auch per Telefon
Telefonnummer


Ihr Menü:

Sonntag und Montag Ruhetag

Küchenzeiten:
12.00 - 13.30 Uhr
18.00 - 20.30 Uhr

Signatur Vincent Klink Vincent Klink
Neben Rezepten werden philosophische Gedanken transportiert. Sparen Sie sich den Psychiater, kaufen Sie das Büchlein
Neben Rezepten werden philosophische Gedanken transportiert. Sparen Sie sich den Psychiater, kaufen Sie das Büchlein
"Meine Rezepte gegen Liebeskummer"
Jeder Mensch kennt Liebeskummer und oft bekämpfen wir ihn mit Frustessen. Nur fühlt man sich leider nach dem Verzehr von Eis in Literbechern in der Regel nicht besser - im Gegenteil!
Deshalb sollte man in Sachen Herzschmerz den Rat des Kochs einholen, der weiß, was in solchen Fällen schmeckt und der Seele guttut. Vierzig Jahre Gastwirt, einem Zoodirektor nicht unähnlich, da weiß man um die Gefühlswelt der Menschheit gut Bescheid. Zu den Rezepten werden viele Erlebnisse, Selbsterfahrungen und amüsante psychologische Hilfen angeboten. 

Anfragen für humorvolle Lesungen: Rowohlt Verlag Reinbeck
Frau Tessa Martin



*

Restaurant Wielandshöhe
- Vincent Klink -
Alte Weinsteige 71
70597 Stuttgart-Degerloch

*

Immer wieder die Frage: "Ist der Chef auch da?"
Antwort »
Ich werde ab Januar 2017 zweimal monatlich, jeweils am Donnerstag, im ARD-Mittagsbuffet kochen.
Darüber hinaus bin ich „Live“ im Restaurant, und zwar täglich, ohne Ausnahme.

April 2013

30. April 2013

Rundum eine Zumutung

Alles war eine Zumutung, die Zeiten sowieso, und das Essen erst recht. Letzteres empfand ich als dumpf, ärmlich, ja geradezu steinzeitlich. Mein Vater, Tierarzt brachte jeden Tag melkwarme Milch von den Bauern mit, frisch geschlagene Butter, die immer ein bisschen nach Kuhstall roch, dann das dunkle Holzofenbrot, die frischen Linsen, Wurst, immer dieses Hausmacherzeugs. Mutter kochte wie eine Wilde hausgemachte Spätzle, Schmalz mit Grieben wurde ausgelassen und dann kamen noch die Erzeugnisse aus dem eigenen Garten auf den Tisch. Unvergesslich sind mir die grauenvollen Roten Bete und die riesigen Gelbe Rüben, die dermaßen heftig nach Karotten schmeckten, dass es mich würgte.

Meine Freunde Kameraden lebten derweil bereits weltläufig mit Fernseher und Miracoli-Spaghetti. Alle waren schon mal am Meer gewesen, in Benidorm oder am Teutonengrill unweit von Rimini. Aus den Fenstern schallten hochmoderne Schlager wie "Sole, Sole, Sole, heißt die liebe Sonne" und meine verschnarchten Eltern erfreuten sich immer noch an Glenn Miller und Bill Haley. Ich schämte mich gehörig und beneidete die Arbeiterkinder, mit denen ich zum Fußballplatz zog, um Ihr "Konsumbrot". Mit Margarine bestrichen und mit dünner Industriewurst belegt empfand ich es als totale Delikatesse.

Bei Nachbars gab es nicht diesen Linsenmampf mit Spätzle sondern Ravioli aus der Dose, eine absolute Köstlichkeit und wenn dazu noch ein Glas Frigo-Brause, mit dem Geschmack von tausend Orangen gereicht wurde, empfand ich solcherlei Gaumenlust als geradezu futuristisch, als einen Kurzurlaub im Elysium.

Später dann, in meiner Lehrzeit als Koch, dem Mief meiner Heimatstadt Schwäbisch Gmünd entronnen, hörte ich zum ersten mal die Beatles und hatte  Anfangs der Siebziger Jahre auch mitbekommen, dass es so etwas wie den California-Lifestyle gab. Schlaghosen mussten her und eine davon auch noch in überschallrot. Diese Buxe hatte ich mühsam zusammengespart, sie entzündete  meine Vater zu Tobsuchtsanfällen. Meine Haare gerieten zum Wildwuchs, fielen sardellenartig auf die Schultern und Paps maulte ich sehe bald aus wie Tante Martha, die sich nur alle vierzehn Tage einen Badetag gönnte. Mein knallgelbem Pullover wurde von den Eltern als Bader-Meinhof-Mode abgekanzelt. Damals galt  galt aberunter Möchtegernhippies der Parole: "Mut zur Farbe", und meine Eltern verstanden mich und die Welt nicht mehr.

Sie fürchteten ich sei schwul geworden und als dann inmitten der Spätpupertät kurzeitig meine Brustwarzen von einem Tag auf den anderen anschwollen, ging ein Aufschrei des Entsetzens durchs Haus. Der Sohnemann, "hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder"? Alle, Opa, Oma, Mama, Papa, die Haushälterin, alle ordneten mich völlig ironiefrei als schwächliche Missgeburt ein. In meinem Ohr klingelt heute noch der unerhörte Satz des Tierarztes wie aus dem Oberkommando der Wehrmacht, "mit mir könne man kein leeres Scheißhaus stürmen und ich sei sowieso ein klarer Fall für Euthanasie.“ Dagegen aufmümpfen war zwecklos, denn in diesen Jahren durfte man nichts krumm nehmen. Wer durch einen Faustschlag am Boden lag musste sich noch womöglich den Witz anhören, dass man es ja nur hat im Guata hat saga wölla"! Es waren grobe Zeiten und keinesfalls von Nachdenklichkeit unterlegt und übrigens längst nicht so entnazifiziert wie man gemeinhin glaubte. 

Wenige Jahre später hatte ich meine Meisterprüfung schon hinter mir, versöhnte mich mich leidlich mit meinen Eltern, die mit jahrelanger Verzögerung mittlerweile auch einen modernen Haushalt führten. Mammi fühlte sich sogar sehr modern, stöckelte im Minirock herum und Nescafé war der letzte Schrei. Nix mehr Schmalzbrot, sondern Wienerwaldhähnchen. Das Fernsehen weckte Träume von Weltläufigkeit. Die erste Asienkochwelle überschwemmte unseren Haushalt. Papas Leibgericht war Nasi Goreng, das er beharrlich "Nazi Göring" nannte. Der Schwarzweißfernseher lieferte via Clemens Wilmenod, dem ersten Fernsehkoch, Rezepte wie Hawaitoast, Hack-Igel, arabisches Reiterfleisch oder die berühmte gefüllte Erdbeere.  Das waren TV-Zeiten wie inmitten einer Klappsmühle. Wilmenrod entfernte hochkonzentriert die grünen Blattansätze bei ungefähr zehn Erdbeeren und drückte in die Delle jeweils einen Mandelkern. Mit diesem Hattrick beschäftigte er sich geschlagene zwanzig Minuten.  Das Publikum vorm heimischem Phonofurnier, Musiktruhen in Telefonzellenformat bekam Triebstaubäckchen. 

Die Hungerzeiten des überstandenen Kriegs rumorten noch in den Menschen, die Speisekammern waren knüppelvoll mit Hülsenfrüchten. Als Wagenburg gegen Mangelzeiten wurden die Wohnungen mit Tiefkühlen umstellt. Ein Tiefkühler nach dem anderen wurde gekauft als wappneten  sich die Eltern gegen einen Atomkrieg und jahrelanges Bunkerdasein. als mein Vater vor einigen Jahren starb erbten wir KinderbeinebTiefkühlerarmada mit massenhaft Fürst-Pückler-Eiskrem-Ziegel und vielerlei Gefrierbrandpreziosen, darunter eine Kavallerie von Jahrgangsfasanen, vom Padrone selbst geschossen, anno Neunzehnhundertvierundsiebzig.


Dann kam es zur Revolution. nicht in den  bürgerlichen Haushalten sondern in Restaurants mit Köchen, die nicht den Kaiser Wilhelm als Trendsetter feierten. Als ich neunzehnhundertvierundsiebzig mein Restaurant startete folgte ich von der ersten Stunde an, den Maximen der Nouvelle Cuisine von Paul Bocuse. Oft fuhr ich als Lernender nach Frankreich um die Nouvelle Cuisine, diese hochmoderne, aber eigentlich vernünftig, logisch zu begründende Frischeküche zu erlernen.

Die Nouvelle Cuisine, in Deutschland als Mode der kleinen Portionen missverstanden, war letztlich nichts anderes als die Abkehr von der Mehlschwitze und die Rückkehr zu frischen und qualitätvollen Produkten, also zu alle dem Zeugs, das ich in meiner Kindheit so gehasst hatte.  Es war schwer die wienerwaldverseuchten Teutonen wieder auf den Geschmack eines natürlich aufgewachsenen Geflügels zu umzustimmen. Und so blieb es auch: Diejenigen, die in der Kindheit den Junk der frühen Tage mampften, können sich später offensichtlich von solchen Kindheitstraumata nie mehr befreien.

Kein Wunder dass ein Gast kürzlich zu unserer handgeschöpften Bretagne Butter die Frage riskierte, ob es sich um Schmalz handle. 

20. April 2013

Ausverkauf: "Le Crillon"

Für mein Parisbuch arbeite ich gerade an einem langen Kapitel über den Niedergang der alten Luxushotels. Vor einigen Jahren wurde das Plaza Athénée von Philippe Starck in geschmackliche Schräglage designt. Das "Ritz" am Place Vendôme hat für einige Jahre geschlossen, weil man gleichziehen möchte. Hotelsilber raus, Gold rein, so lautet die Devise. 
Zuerst das Plaza Athenée in der Avenue Montaigne, dann das "Ritz". Wie sagte doch der elsässische Küchenchef des "Ritz", man müsse sich der neuen Kundschaft anpassen, den Russen und den Orientalen.Nun macht das großartige Kulturgut, das Hotel "Crillon" dicht.  Ein arabischer Investor will den Laden mit orientalischer Üppigkeit aufhübschen. Wobei wohlgemerkt, wenn es so kommt wie beim "Ritz" dafür die Kleinigkeit von 140 Millonen Euro verbraten werden. Mir kommt das vor, als wenn man die Blaue Moschee in Istanbul einem russischen Milliardär zu renovieren anvertrauen würde.   

Früher war es so, dass sich die Kundschaft der französischen Hochgastronomie anpasste, und dabei sehr gut dran war. Selbst Marcel Proust, Ernest Hemingway, ach was, alle Weltstars und großen Häupter dieser Welt ordneten sich dem Können und der Aura dieser Häuser unter, wobei vielerlei Spezialwünsche natürlich gerne erfüllt wurden. In diesen Hotel schlief man sich, und wenn es nur für eine Nacht war, ins Paradies. 

Vor sechs Wochen schrieb ich eine Geschichte über die César-Bar des "Crillon"und war bei meinen Recherchen mit zwei Campari vor dem Abendessen total im Glück (50 Euro, die es wert waren). Vorletzte Woche überlegte ich mir, dass ich mir vielleicht doch eine Nacht im "Crillon gönnen sollte, denn daraus könnte man sicher eine fulminante Story bauen. Als sparsamer Schwabe loggte ich mich bei Tripadvisor ein, um evtl. ein Schnäppchen zu ergattern. Das klappte auch sehr gut, der Sondertarif-Billig-Tarif für ein Einzelzimmer belief sich auf 950 Euro für eine Nacht. Da hat es selbst dem abgehärteten Vincent das Blech weggehauen. In meinem Buch "Ein Bauch spaziert durch Paris", das im Rowohlt-Verlag erscheinen wird, werde ich mich intensiver mit reichen Leuten beschäftigen. Ich mag reiche Leute wenn sie ihre Mitmenschen ins Brot setzen und das tun sie mehr als man glaubt. Den Neid auf sie überhaupt nicht verstehen, denn wo wären die Blumenhändler, die Gastronomie, Verkäuferinnen in Boutiquen, Schreiner, Handwerker, nicht nur vorgefertigtes abliefern, ja bis hin zum Schuhmacher oder Stoffladen, was wäre wenn es nur arme Leute gäbe?

Grob besehen, und das kann man an den Gästen von Luxushotels immer wieder mal feststellen, ist es schwierig ein großes Vermögen anzuhäufen, aber ganz bestimmt ist es schwieriger es mit Anstand und Grandezza auszugeben. Ich denke das betrifft jeden, sein verdientes Geld vernünftig auszugeben birgt so manche Schwierigkeit. Für mich war es keine Problem, darauf zu verzichten im "Crillon" zu übernachten.

 Fast hätte ich es vergessen: Wer sich am Ausverkauf des Hotel "Crillon" beteiligen will, kann tatsächlich so manches Schnäppchen machen:


12. April 2013

Thomas C. Breuer ist einer meiner Lieblingsautoren. Er schreibt humorvoll, mit wirklichem Witz und anzumerken ist, dass bei ihm tatsächlich Witz und Geist eins sind. 

Als Satiriker und Kabarettist ist der Künstler viel in der Schweiz unterwegs. 
Liebe Leser, in der als langweilig verleumdeten Schweiz ist schwer was los. Davon und vorwiegend aus den Küchen der Schweizer Lölis berichtet Breuer, dass die Alpen wackeln und vor Lachen die Gletscher sich die Bäuche halten. ein wirkliches Alpenchili.

Pirhanha Fondue
von Thomas C. Breuer
Knapp Verlag Olten, März 2013
ISBN 978-3-905848-77-9

10. April 2013

Habe in meinem Fundus das wunderbar passende Aquarell meines Freunds Nikolaus Heidelbach gefunden.
Wir Gastrosexuellen
Eine Aufklärung | Von Carsten Otte | Produktion: SWR/WDR
Sendung am Sonntag, 14.4. | 14.05 Uhr | SWR2

Gastrosexualität? Was ist denn das? Eine Krankheit? Nein, es ist die Leidenschaft von Männern, die mit kompliziertem Werkzeug und nahezu wissenschaftlichem Anspruch ihre Privatküchen zu einem Schlachtfeld der Kulinarik und eigenen Identitätsfindung machen. Doch wie ticken diese Typen, die sich zum Geburtstag einen Dörr-Automaten oder einen Kurs beim Schlachter wünschen? Autor Carsten Otte – selbst gastrosexualisiert – sorgt für Aufklärung. Über die höhere Kunst der Liebe zu Fleisch und Gemüse, Aromen und Texturen, über die erogenen Zonen hochtechnisierter Küchen, über die Lieblingsspielzeuge kochender Männer – ein Küchen-Kamasutra für Fortgeschrittene.


********************************************************************
Und der Vincent gibt nun auch noch seinen Senf dazu.
Ich finde das ein tolles Thema mit jede Menge Raum für Ironie. Diese ganze Entwicklung des Küchenwahnsinns sehe ich positiv, dass nämlich Männer ihren Selbsthass, ihre Minderwertigkeitskomplexe, ihren Masochismus, Privatfaschismus und sonstige Verwundungen in der Küche heilen wollen. Mir ist lieber sie schwingen einen strassbesetzten Schneebesen mit eingebautem Radio, als dass sie ihren Frust mit schwingendem Baseballschläger kompensieren.

6. April 2013

Der April macht was er will. Heute wieder ein trüber Samstag, aber bereits zum Mittagessen war das Lokal mit 70 Gäste voll gefüllt. Die Leute haben erkannt, dass Lichtmangel mit gutem Essen kompensiert werden kann. Ein absoluter Stimmungsaufheller ist unser Bratwurst, die wir täglich frisch machen. 
Benjamin Widmann hatte letzten Montag bei seinem Freund dem Bauern Birk in Mundelfingen (Donaueschingen) vier Zicklein geschlachtet.